Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

ORF: Gestrichene Rassismus-Doku soll neuen Sendeplatz bekommen

Aus "technischen, formalen und inhaltlichen" Gründen hatte der ORF die Doku "Schwarz in Wien" zurückgewiesen - jetzt soll sie offenbar doch gesendet werden.Fabry
  • Drucken

Für die Doku "Schwarz in Wien", die vom ORF aus dem Programm gestrichen wurde, wird nun ein neuer Sendeplatz gesucht: Sie passe nicht ins Konzept der Bundesländersendung "Österreich-Bild".

Die Doku "Schwarz in Wien – Von Soliman bis Alaba", die ursprünglich am kommenden Sonntag um 18.20 Uhr in der ORF2-Sendung "Österreich-Bild" gesendet werden sollte, vom ORF aber zurückgezogen wurde, soll nun offenbar einen neuen Sendeplatz bekommen. Das sagte der Regisseur der Doku, Teddy Podgorski jun., der "Presse".

Bei einem Treffen mit den Verantwortlichen der Sendung habe man ihm gesagt, dass sein Film "ein gutes Produkt" sei, aber nicht in das Format passe, das abwechselnd von den Landesstudios gestaltet wird und laut ORF-Beschreibung Dokumentationen umfasse, "die die schönsten und interessantesten Seiten unserer Heimat vorstellen" und "ein Bild der regionalen Vielfalt, der Verschiedenheit der Bundesländer" vermitteln sollen. Seine Doku - die "einen speziellen Wiener Rassismus, der bis ins 17. Jahrhundert zurück reicht" thematisiert - würde die Sehgewohnheiten der "Österreich-Bild"-Seher überfordern, habe der ORF Podgorski mitgeteilt.

Via OTS-Aussendung bestätigte der ORF: "Zur Entscheidung des ORF-Landesstudios Wien, die von ihm beauftragte Dokumentation 'Schwarz in Wien – Von Soliman bis Alaba' nicht am ursprünglich geplanten Sendeplatz im Rahmen der Reihe 'Österreich-Bild' auszustrahlen, da der Film nicht zur Anmutung und Bildsprache der Programmleiste passt, hält der ORF fest, dass die Produktion natürlich gesendet wird. Es wird geprüft, welcher Sendeplatz für den Film passend ist, um ihn innerhalb der nächsten Wochen zur Ausstrahlung zu bringen. Dieser Termin wird zeitnah bekanntgegeben."

Doku bleibt unverändert

Podgorski hofft nun auf einen prominenteren Sendeplatz als den am Sonntag-Vorabend. Das Landesstudio Wien müsse diesbezüglich den Küniglberg kontaktieren. Jedenfalls würde die Doku unverändert gezeigt, sagt er. In einer Stellungnahme am Mittwoch hatte der ORF noch mitgeteilt, dass Podgorski mit einer Überarbeitung beauftragt worden wäre - was dieser allerdings bestritt. "Die abgelieferte Doku hat technisch, formal und inhaltlich nicht dem beauftragten Konzept entsprochen", hieß es im Statement des ORF.

Aus dem Mailverkehr zwischen Podgorski und dem zuständigen ORF-Redakteur, der der "Presse" vorliegt, geht Begeisterung auf Seiten der Redakteurs über den Film hervor - allerdings auch, dass der Film, "für die gewohnte Doku-Form", "radikal" sei. Der "Presse" sagte Podgorski, dass er beschlossen habe, die sechs Porträtierten unkommentiert erzählen zu lassen, ohne Stimme aus dem Off, Bildstrecken oder Musikuntermalung. In der formalen Umsetzung sei der Film dadurch "völlig reduziert" - eine Entscheidung, die mit dem Thema des Films zusammenhängt: Sechs schwarze Wiener, darunter die Chefredakteurin des Magazins "Fresh", Vanessa Spanbauer, und Tori Reichel, der 2014 mit einem offenen Brief an die Uni Wien in die Medien kam, berichten darin von (Alltags-)Rassismus. "Wie bebildert man das?", sagt Podgorski. "Voyeuristisch - mit tanzenden Schwarzen in einem Nachtklub? Das bekommt sofort des Ruch des Rassistischen."

"Vorurteile sitzen tief"

"Schwarze Wienerinnen und Wiener der zweiten und dritten Generation unterscheidet eigentlich nichts vom klassischen multiethnischen Wiener außer der Hautfarbe. Doch die Vorurteile sitzen tief und blicken auf eine lange Tradition zurück", hieß es im Programmtext zur Doku, als sie noch in den Fernsehprogrammen angeführt war. Schon im Frühling habe der ORF sie bei Podgorski bestellt, Mitte Juli lieferte der sie ab, am vergangenen Freitag wurde ihm dann mitgeteilt, dass sie nicht gezeigt würde - was allerlei Spekulationen weckte. "Ist es ein Ertappt-fühlen und die Verweigerung der Reflexion über den eigenen Rassismus? Oder ist es Angst vor der Meinung der Zuseher, die 'besorgte Bürger' sein könnten? Oder geht es doch gar um die Angst vor Konsequenzen aus der Politik – besonders, weil die Regierung angeblich daran feilt, den ORF zu schwächen oder ihn zu 'unterwandern'?", fragte Vanessa Spanbauer, die in der Doku nicht nur zu Wort kommt, sondern auch als Mitarbeiterin wirkte, in ihrem Blog.

Podgorski jedenfalls ist froh, dass die Doku nun doch noch im ORF-Programm landen soll.

(kanu)