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Österreichische Architektin: „In Nigeria hat man viel mehr Möglichkeiten“

„Man muss dort viel mehr leisten als hier.“ Stefanie Theuretzbacher.
„Man muss dort viel mehr leisten als hier.“ Stefanie Theuretzbacher.(c) Groihofer
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„In Nigeria hat man viel mehr Möglichkeiten, es gibt viel zu tun, das Land ist im Aufbau. Wo man hinschaut, sieht man etwas, zu dem man Ideen hat.“ Warum die junge Architektin Stefanie Theuretzbacher ihrer Heimat Österreich den Rücken gekehrt hat. Ein Gespräch über Chancen– und Probleme.

Stefanie Theuretzbacher, 2015 haben Sie mit einem nigerianischen Architekten in Lagos das Studio Elementals gegründet. Schon davor planten Sie im Subsahara-Raum. Jetzt kamen Sie kurz nach Wien zur Ziviltechnikerprüfung. Warum Afrika?

Das hat eine lange Vorgeschichte, die schon in der Jugend mit Musik, mit westafrikanischer Trommelmusik begonnen hat. Ich spiele seit vielen Jahre Djembé. So kam ich zum ersten Mal für einige Wochen nach Mali, um die Musik näher kennenzulernen. Diese Zeit hat mich so stark geprägt, dass ich danach ein anderer Mensch war. Und seither hat es mich immer wieder in verschiedene afrikanische Länder gezogen.

Die Verbindung zur Arbeit wurde das erste Mal über das Foreign Affairs Lab der Universität für angewandte Kunst, geleitet von Bärbel Müller, hergestellt, wo ich auch an der 2017 erschienenen Publikation über die Labs in Ghana und dem Kongo mitgearbeitethabe. Später ging die Reise privat weiter nach Ruanda, Äthiopien und Guinea, auch zum Trommeln. Danach bekam ich das Tische-Stipendium, das jungen Architekten und Architektinnen das Sammeln internationaler Erfahrungen auf dem Gebiet der Baukultur ermöglicht, und bei der Wahl des Ortes habe ich mich logischerweise für Afrika entschieden.

Was kann eine europäisch ausgebildete Architektin dort beitragen, gibt es eine Vision?

Ich lebe dort nicht nur mit dem Gedanken, etwas beizutragen, wichtig ist vielmehr eine Wechselbeziehung, und welche Möglichkeiten habe ich. Für mich ist Europa beim Bauen und in der Architektur erschöpft. Es ist alles überreglementiert, und der Markt ist gesättigt. Ich habe das Gefühl, in Österreich keine Chancen als junge Architektin zu haben. In Nigeria hat man viel mehr Möglichkeiten, es gibt viel zu tun, das Land ist im Aufbau, und es ist vieles flexibler im Vergleich zu den Einschränkungen durch Gesetze und Normen in Österreich. In Lagos kann ich selbstständig und selbst entscheidend arbeiten. Wo man hinschaut, sieht man etwas, zu dem man viele Ideen hat, bei dem man die Chance zur Verbesserung sieht.