Männer, ein Auto, jede Menge Exzess – so laufen die meisten Roadtrips ab. Aber es geht auch anders. In den Romanen von Jesmyn Ward, Dave Eggers und anderen tollen plötzlich Kinder auf der Rückbank herum. Oder es schläft dort der Opa.
Am Beginn steht meist der Schmerz. Eine Kränkung, eine Demütigung, ein Verlust – und die Sehnsucht, vor all dem fliehen zu können. Also ab ins Auto und so weit wie möglich weg vom Ort der Niederlage: So war das schon beim Klassiker der Roadtrips, Jack Kerouacs „Unterwegs“. Und so blieb das bis heute: Nachdem ihm seine Frau an einem Sonntag im März aus heiterem Himmel eröffnet hat, dass sie mit einem anderen schläft und nicht vorhat, damit aufzuhören, packt der Held in Murakamis „Die Ermordung des Commendatore“ ein paar Kleidungsstücke und sein Tagebuch in eine Sporttasche und irrt mit seinem Peugeot 205 durch den Norden Japans. Er fährt und fährt über Wochen, wie im Rausch. Bis er klarer sieht.
Beim Roadtrip geht es selten um ein Ziel – obwohl auch eine penibel geplante Fahrt entgleisen kann –, im Mittelpunkt steht der Akt des Fahrens an sich. So ein Auto ist schließlich nicht irgendein Vehikel. Es ist ein Schutzraum, ein Heim auf Rädern. Vorn die Straße, links und rechts zieht die Landschaft vorbei, im Rückspiegel das, was man hinter sich gelassen hat. Aus dem Kassettendeck (es gibt fast immer ein Kassettendeck) dröhnt Musik, Untermalung für den Aufbruch, den Ausbruch. Zeit, zur Ruhe zu kommen. Oder im Gegenteil: Zeit für den Exzess, der einen alles vergessen lässt. Drogen, Sex und jede Menge Alkohol.