Osteuropa ringt um die Beschränkung von doppelt verteuerten Fremdwährungskrediten.
ATHEN/WIEN (p.m.). Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou und der Schweizer Nationalbank-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine sind schuld daran, dass hunderttausende Osteuropäer schlecht schlafen: Der eine hat mit seiner Bemerkung, Griechenland stehe nur „einen Schritt“ davor, keine Kredite mehr aufnehmen zu können, den Euro in einen weiteren Abwertungsstrudel gestoßen. Der andere hatte Donnerstagabend gemeint, die Schweiz müsse sich auf steigende Leitzinsen einstellen. Damit verkündete er allen Osteuropäern, die Franken-Kredite abstottern, eine Hiobsbotschaft: Werden in der Schweiz die Zinsen angehoben, verteuern sich die Rückzahlungen. Sie sind ja durch die Kursstärke des Franken ohnedies schon teurer geworden.
Und das alles geschieht, während die sogenannte „Wiener Initiative“ in Athen nach Wegen aus dem Dilemma der Fremdwährungskredite sucht – jenem Dilemma, das Osteuropäer schlecht schlafen lässt. Die Initiative wollte am Freitag erste Schritte unternehmen, um in den postkommunistischen Ländern Fremdwährungskredite für Private zu stoppen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die Maßnahmen dürften nicht an die große Glocke gehängt werden. Die zur Initiative gehörenden Banken – unter ihnen Erste Group, Raiffeisen International und UniCredit – könnten, wie am Freitag aus Konferenzkreisen verlautete, „auf freiwilliger Basis eine Verpflichtung übernehmen“. Mehrmals wurde dabei die Bedingung gestellt, die Vereinbarung dürfe sich nicht auf Euro- und Dollar-Kredite erstrecken. Was logisch ist: Hauptbetreiber sind der Internationale Währungsfonds und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.
Strengere Regeln in Ungarn
Bisher gibt es in den Reformstaaten nur vereinzelt Maßnahmen zur Beschränkung der Devisenkredite. In Ungarn trat am 1. März eine Verordnung in Kraft. Wer eine Forint-Hypothek aufnehmen will, kann bis zu 75 Prozent des Wertes seiner Immobilie bekommen. Die Vergabe von Euro-Krediten ist mit 60 Prozent gedeckelt, bei allen anderen Devisen beträgt die Obergrenze 45 Prozent.
Eine ähnlich restriktive Regelung will auch die polnische Finanzmarktaufsicht KNF verfügen. Devisenkredite seien wegen des Währungsrisikos „kein Produkt für gewöhnliche Kunden“, sagte der Leiter der Bankenaufsicht in der KNF, Andrzej Stopczynski, der Nachrichtenagentur PAP. Er kritisierte, dass die Banken wieder sehr leicht Kredite vergeben: „Die Banker haben wohl vergessen, dass es eine Krise gegeben hat.“
Der Anteil der Devisenkredite schwankt je nach Land zwischen 30 und 70 Prozent. Die überwiegende Mehrheit stellt der Franken. Kredite in der Schweizer Währung bieten in Ungarn nur noch zwei Banken, AXA und Aegon Hitel.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2010)