"Äquator": Der Ort der Sehnsucht

(c) Bertelsmann

Antonin Varenne hat mit "Äquator" einen wunderbar altmodischen Abenteuerroman geschrieben, wie er heute kaum noch zu finden ist.

Der klassische Abenteuerroman ist ein wenig aus der Mode gekommen. Umso erfreulicher ist es, dass der Franzose Antonin Varenne vor drei Jahren diesem Genre mit der fesselnden Wildwest-Serienmörder-Mischung „Die sieben Leben des Arthur Bowman“ neues Leben eingehaucht hat. Nun legt er mit „Äquator“ noch einmal nach. Und gleich vorweg: Die Lektüre des erwähnten Vorgängerromans empfiehlt sich, denn immer wieder wird Bezug auf die Vorgeschichte genommen.

Im Zentrum der Handlung steht diesmal der gewalttätige und verbrecherische Pete Ferguson, ein Deserteur im amerikanischen Bürgerkrieg, der sich in den 1870er-Jahren auf der Flucht aus dem US-Bundesstaat Nebraska in Richtung Süden befindet. Er ist auf der Suche nach dem Äquator, einem für ihn mythischen Ort, an dem angeblich alles verkehrt ist: Das Wasser soll dort die Flüsse hinauffließen, der Wind von der Erde wegblasen, und die Füße sollen kaum den Boden berühren, sodass man Steine in seinen Rucksack packen muss. Ferguson sieht darin die letzte Chance, seinem aus allen Fugen geratenen Leben endlich eine Wende zum Besseren zu geben. All das Böse in ihm will er in etwas Gutes umkehren.

Varenne überzeugt – wie übrigens auch in dem im Vorjahr erschienenen erstklassigen Kriminalroman „Die Treibjagd“ – als unaufgeregter Erzähler, dessen von ihm erschaffene, stets abgründige Figuren den Leser in den Bann ziehen. phu

Antonin Varenne: „Äquator“, übersetzt von Michaela Meßner, C. Bertelsmann Verlag, 426 Seiten, 20,60 Euro