Lunacek: Türkis-blaues Vorgehen "spaltet die Gesellschaft"

Ulrike Lunacek
Ulrike Lunacek(c) Clemens Fabry (Presse)

Die frühere grüne EU-Abordnete kritisiert die "rüpelhaften Aussagen von FPÖ-Delegationsleiter Vilimsky". Ein Polit-Comeback schließt die 61-Jährige nicht aus.

Ulrike Lunacek war acht Jahre lang als EU-Abgeordnete der Grünen und drei Jahre als Vizepräsidentin des Europaparlaments tätig. Nach der misslungenen Nationalratswahl im Oktober 2017, die Partei verpasste nach 31 Jahren den Wiedereinzug ins Parlament, legte sie all ihre politischen Funktionen nieder. Nun, fast zehn Monate später, sagt sie: Sie schließe eine Rückkehr nicht aus: "Wer weiß denn schon, was in zehn Jahren ist?" Aber: für die nächsten Jahre sei das kein Thema.

Aktuell betätigt sich die 61-Jährige freiberuflich, gab, gemeinsam mit ihrem ehemaligen Pressesprecher ein Buch über ihre acht Jahre als Kosovo-Berichterstatterin im EU-Parlament heraus und absolviert dazugehörige Lesereisen. Weiters war sie ein halbes Jahr lang Visiting Fellow am Institut für die Wissenschaft vom Menschen. In den kommenden Wochen wird sie das nordirakische Erbil für ein Seminar über parlamentarisches Arbeiten für neu gewählte irakische weibliche Abgeordnete besuchen.

"... dann, wenn die ÖVP nicht türkis ist"

Angesprochen auf den aktuellen Eurobarometer, wonach derzeit nur 45 Prozent der Österreicher die EU-Mitgliedschaft positiv bewerten, meint Lunacek: "Man darf sich nicht wundern, wenn eine Regierung im Amt ist, die am Papier pro-europäisch ist, aber in der Realität das Gegenteil macht, bis hin zu rüpelhaften Aussagen von FPÖ-Delegationsleiter Vilimsky über Kommissionspräsident Juncker. Damit wird an die niedrigsten Instinkte appelliert."

Überhaupt, so die gebürtige Kremserin, trage die türkis-blaue Bundesregierung zur Spaltung bei: "Die Tendenz, in Migranten nur Sündenböcke für eigene Fehler zu sehen, oder Lehrlinge, die gut integriert sind, abzuschieben, das spaltet die Gesellschaft."

Über die Neuauflage der schwarz-grünen Koalitionen in Tirol ist sie dennoch erfreut, ebenso über die grüne Regierungsbeteiligung in Salzburg: "Wenn grüne Inhalte im menschenrechtlichen, sozialen und ökologischen Bereich umgesetzt werden können. Dann, wenn die ÖVP nicht türkis ist", sei eine Kooperation mit der Volkspartei durchaus möglich, so Lunacek.

>>> Bericht im "Kurier"