Führungsfehler

Say my name

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Kolumne "Führungsfehler". Er hatte etwas gelernt in diesem Verlaufsseminar: dass Menschen es mögen, wenn man sie mit Namen anredet.

Und so gewöhnte er sich an, hinter jeden Satz den Namen des Angesprochenen zu setzen. Guten Morgen, Bernadette. Wie war dein Wochenende, Bernadette? Würdest du mir den Report bis 12 Uhr machen, Bernadette? Über die Betonung des Namens konnte er dem Satz zusätzliche Bedeutung verleihen. Ein drohendes Bernadette klang anders als ein schmeichelndes.

Er war mit Eifer bei der Sache. Kundennamen, die er bisher ihrer Schwierigkeit wegen gemieden hatte, übte er nun so lange laut vor dem Spiegel, bis sie ihm flüssig über die Lippen kamen. Guten Tag, Herr Karminochesky. Guten Tag, Herr Karminochesky. Guten Tag, Herr Karminochesky. Von Doppelnamen wollen wir erst gar nicht reden.

Zu Beginn eines Gesprächs schienen die Kunden das zu mögen. Mit längerer Fortdauer zogen sie sich zurück. Manche schienen gar misstrauisch. Er wusste nicht warum.

Schließlich war es Bernadette, die Licht ins Dunkel brachte. Nach dem vierten: Wann ist der Report fertig, Bernadette? begann sie zu kreischen. Ich weiß, wie ich heiße, schrie sie. Sag noch einmal meinen Namen und ich werfe dir den Report um die Ohren.

Aber Menschen lieben es doch, mit Namen angeredet zu werden, wunderte er sich.

Oder, Bernie?

 

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Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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