Die Academy will „Herausragende Leistungen im populären Film“ auszeichnen. Der nächste Akt in der schleichenden Entwertung der Gala.
Jetzt wollen die Oscar-Verantwortlichen auch noch das letzte bisschen Spannung aus der – nach dem Song Contest – unnötigsten aller Veranstaltungen nehmen. Denn die Frage, ob in der Kategorie "Best Picture" wirklich einer der besseren Filme des vergangenen Jahres oder einfach nur einer der erfolgreichsten das Rennen macht, gehört zu den wenigen Entscheidungen der Academy, die einen Funken Reiz haben und weswegen Cineasten den Abend nicht komplett ignorieren.
Mit der geplanten neuen Kategorie "Herausragende Leistung im populären Film" wäre auch das vorbei, weil man sich nicht mehr zwischen Kunst und Kommerz entscheiden müsste, sondern alle glücklich machen könnte. Dann wäre heuer wahrscheinlich "Shape of Water" zum "Besten Film" und "Die Verlegerin" zum "Besten populären Film" gewählt worden.
Die Hauptkategorie zu teilen - wie bei den Golden Globes - würde sie enorm entwerten. Bereits die Ausweitung der Nominierten für den "Besten Film" vor ein paar Jahren auf bis zu zehn Filme (statt bis dahin fünf) war ein großer Fehler der Organisatoren, die dadurch mehr Zuschauer vor den Fernseher locken wollten, damit aber das Gegenteil erreichten. Eine Veranstaltung wie die Oscar-Gala lebt von ihrer Exklusivität. Sie wird nicht attraktiver, indem man immer mehr Nominierte und Kategorien einführt.
Was kommt als nächstes? Die Verleihung des „Besten fremdsprachigen Films“ pro Genre? Oder pro Kontinent? Oder vielleicht unterscheidet man demnächst auch hier zwischen populär und nicht populär. Das wäre sicher spannend: Der beste fremdsprachige Film, der seine Produktionskosten eingespielt hat, geht zum 17. Mal in Folge nach - Indien.