Wenn man Bergkäse gegen Bleu ins Rennen schickt. Und was man noch nicht verkosten lässt.
„Great minds think alike“, ist ein bisschen anmaßend, wenn der andere Kopf einer der besten Köche des Landes ist. Auf jeden Fall war es zum Schmunzeln, als wir am Ende unserer Flitterwochen (inoffiziell: Futterwochen) auf Andreas Döllerers Speisekarte unlängst das Bergkäse-Ländermatch (Österreich, Frankreich, Schweiz) entdeckten. So ähnlich endete nämlich kurz davor unser eigenes französterreichisches Festessen – ohne die Schweiz halt, einen Konkurrenten haben der Monsieur und ich ausgeschalten.
Diverse österreichische Käse traten denn gegen die französischen an: Bergkäse und Bierkäse gegen Camembert, Saint-Nectaire oder Bleu, Kuh gegen Ziege. Davor war schon Rinder- gegen Schweinsbraten ins Rennen geschickt worden, Puy-Linsen gegen Käferbohnen, Ziegenfrischkäse gegen geröstete Eierschwammerln auf dem Salat. Der Champagner lief außer Konkurrenz, genauso der österreichische Weißwein. (Ohne Beschwerden.)
Ob beim Essen Frankreich oder Österreich gewonnen hat, ist aber schwer zu sagen: Übrig blieb kaum etwas, außer Käse – vermutlich, weil die nunmehr offizielle Schwägerin ein ganzes Auto davon aus der Auvergne angekarrt hatte. Wie sie in dem Fahrzeug noch Mann und Kind unterbrachte, ist ein Rätsel. Detto, dass sogar für eine Entenwurst noch Platz war, eine der Kuriositäten der französischen Cuisine, die die österreichische Verwandtschaft mit gewissen Vorbehalten kostete (die Andouillette, eine Innereienwurst, in die hauptsächlich Darm und Magen vom Schwein gepackt wird, heben wir uns also lieber fürs nächste Mal auf).
Der übrige französische Käse wurde übrigens mottogerecht mit einem typisch österreichischen Rezept vermählt und zu (ziemlich vielen) Kaspressknödeln gemacht. Die Idee kam vom Monsieur. Was soll ich sagen: „Great minds think alike.“
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2018)