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MySpace-Benutzerdaten im Massen-Abverkauf

MySpaceBenutzerdaten MassenAbverkauf
(c) Clemens Fabry, MySpace, Reuters, Montage DiePresse.com
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Facebook und Co. sammeln Daten ohne Ende. Ein Unternehmen verkauft jetzt Benutzerinformationen von MySpace-Konten. Öffentliche Facebook-Profile, auch aus Österreich, werden schon lange analysiert.

Je mehr Social Networks wie MySpace und Facebook an Beliebtheit gewinnen, desto mehr Personendaten sammeln sie an. Diese sind von großem Wert für Marketing-Unternehmen aber auch Forscher, die Einblicke in die virtuellen Parallelwelten erhalten wollen. Seit kurzem bietet der Dienstleister Infochimps Daten über Benutzeraktivitäten auf MySpace zum Verkauf an. Als Basis dient eine Programmierschnittstelle von MySpace, die über Aktivitäten in Echtzeit berichtet. Infochimps bietet die Daten entweder als Rohformat für zehn US-Dollar oder aufgeschlüsselt nach geografischen Merkmalen für 300 Dollar an.

MySpace gibt Daten kostenlos weiter

Die Betreiber von MySpace behaupten in einem offiziellen Blogeintrag, dass die Daten nicht weiterverkauft worden sind, sondern Infochimps sich lediglich einer seit längerem aktiven Entwicklerschnittstelle bedienen würde. Real Time Stream gibt Drittanbietern kostenlosen Zugriff auf öffentliche Statusmeldungen, welche Musik Benutzer hören oder welche Fotos sie hinzufügen. MySpace-Benutzer können diese Funktion in ihren Datenschutz-Einstellungen abdrehen, wenn ihnen das unangenehm sein sollte, schreibt Vizechef Mike Jones.

"Facebook-USA" in sieben Teilen

Aufgrund der Daten sollen aber keinerlei Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich sein, heißt es. Derartige Einblicke in Social Networks gab es in Uni-Arbeiten schon bei Facebook und Twitter. Der ehemalige Apple-Entwickler Pete Warden hat sich etwa die Mühe gemacht, Daten von 210 Millionen Facebook-Benutzern in den USA aufzuschlüsseln. Daraus zieht er den Rückschluss, dass man die USA in sieben große Bereiche unterteilen könnte. So gibt es etwa ein kleines "Mormonia" inmitten des "Nomadischen Westens", an den das aus LA und San Francisco bestehende "Socalistan" angrenzt.

Österreichs Facebook-Nutzer auch analysiert

Für das Abfragen der Facebook-Daten werden öffentliche Profile genutzt. Wer in seinen Einstellungen die Option deaktiviert, dass man seine Profildaten etwa per Google finden kann, wird nicht in Statistiken wie denen von Warden erfasst. Auf einer virtuellen Weltkarte sind übrigens alle Vernetzungen von Facebook-Mitgliedern aufgezeigt. Man kann sehen, dass die Österreicher den Energy-Drink Red Bull und die Schauspielerin Megan Fox mögen. Die beliebtesten Vornamen sind übrigens Michael, Thomas und Stefan.

(c) Screenshot

Wirtschaftlicher Segen und Fluch

Die Flut an Daten ist aber nicht unbedingt ein Segen für alle Beteiligten. Laut dem Economist stöhnen viele Firmen unter dem Berg an Informationen, den es aufzubereiten gilt. Oracle, IBM, Microsoft und SAP sollten insgesamt 15 Milliarden Dollar in den letzten Jahren ausgegeben haben, um Firmen zu akquirieren, die sich auf Datenmanagement und -analyse spezialisiert haben. Analysten schätzen den Wert dieses Unternehmenszweigs auf mehr als 100 Milliarden Dollar pro Jahr, wobei sich der Wert jährlich um zehn Prozent steigert.

Privat oder öffentlich?

Der Fall MySpace und die freie Verfügbarkeit von öffentlichen Facebook-Profilen wirft einmal mehr wichtige Fragen auf. Im Gegensatz zum Microblogging-Dienst Twitter sind viele Informationen, die man online stellt, nicht für alle Welt gedacht. Benutzer von Social Networks sollten sich im Klaren darüber sein, dass all ihre hochgeladenen Informationen nicht ausschließlich ihnen gehören, sondern auch den Betreibern der jeweiligen Plattform. Wer wert auf seine Privatsphäre legt, sollte sich eingehend mit den Datenschutzbestimmungen des Dienstes seiner Wahl vertraut machen.

(db)