Totgesagt und doch erfolgreich: Den Programmkinos wurde oft ihr Untergang prophezeit. Doch allen Krisen zum Trotz sind sie bis heute die wichtigste Plattform für Film als Kunstform.
Im Untergeschoß der Währinger Straße 12 klafft an diesem Nachmittag ein riesiges Sommerloch. Wie in den meisten Wiener Kinos zur Sommerzeit ist auch im Votivkino nicht viel los dieser Tage. Wäre jener Nachmittag Sinnbild der Wiener Programmkinoszene, fiele das Fazit nüchtern aus. In Zeiten von Onlinestreaming und On-demand-TV scheint das Kino generell an Boden zu verlieren: Zu groß die Auswahl an permanent abrufbaren Filmen und Serien. Zu verlockend die Aussicht auf einen gemütlichen Serienabend, ohne sich den Weg in die Innenstadt anzutun. Hat das Kino etwa ausgedient?
Allein in Wien gibt es noch 13 Arthouse-Kinos. Die meisten von ihnen blicken auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück und wurden in den 1980er-Jahren auf ein vielfältiges, hauptsächlich europäisches Filmprogramm jenseits des US-Mainstreams umgestellt. Damit war mit einiger Verspätung die Erneuerungsbewegung des europäischen Kinos auch in Wien angekommen. Denn die revolutionäre 1968er-Stimmung hatte auch vor dem Kino nicht haltgemacht. Junge Regisseure wollten neue Inhalte mit einer neuen Ästhetik verbinden. Begünstigt durch flexiblere technische Möglichkeiten entstand ein deutlich verjüngtes innovatives Filmschaffen, das sich bald auch kommerziell etablieren konnte.