Rapid: Es brodelt wieder in Hütteldorf

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Nach dem verpatzten Ligaauftakt stellt sich bei Rapid vor allem eine Frage: Was passiert, wenn das große Saisonziel Europa League schon am Donnerstag verspielt wird?

Wien. Seit April 2017 ist Goran Djuricin Chefcoach von Rapid Wien. Seine Bilanz nach 56 Pflichtspielen: 29 Siege, 13 Remis, 14 Niederlagen – ergibt einen ordentlichen Punkteschnitt von 1,79 pro Partie. Das alles ist insofern erwähnenswert, weil Djuricin das äußerst schmeichelhafte 0:0 am Sonntag im Allianz Stadion gegen den WAC folgendermaßen beurteilte: „Es war fußballerisch die schlechteste Leistung in meiner Ära.“

Nicht nur das, Djuricin steht wohl auch vor der größten Herausforderung seiner Ära. Er muss nach nur zwei Toren und keinem einzigen Sieg in den jüngsten drei Pflichtspielen binnen weniger Tage das Ruder herumreißen. Schafft man es am Donnerstag (20.30 Uhr, live ORF eins) nicht, den 1:2-Rückstand gegen Slovan Bratislava aus dem Hinspiel aufzuholen, wäre das erste große Saisonziel Europa League schon vor dem Qualifikations-Play-off verpasst.

Ein Horror-Szenario, das auch die Fans erzürnen lässt. Nach der WAC-Partie ging Hütteldorf in einem Pfeifkonzert unter, aus dem Block West tönten lautstarke „Gogo raus“-Sprechchöre in Richtung Djuricin. „Das gehört dazu. Die ganze Mannschaft müsste sich entschuldigen“, meinte dieser. „Wahrscheinlich würde ich es als Fan auch so machen.“ Tatsächlich wird die Luft für Djuricin extrem dünn, wenn zuhause gegen Bratislava keine Trendumkehr gelingt. „Wir wissen, wir müssen mit einem anderen Gesicht auftreten.“

Verärgert war aber nicht nur der Anhang, sondern auch die Chefs. „Es war in allen Belangen Rapid unwürdig“, erklärte Präsident Michael Krammer bei Sky.

Auf ansprechende erste zehn Minuten, in denen Rapid durch Veton Berisha (7.) seine einzige Torchance vorfand, folgte ein völlig harmloser Auftritt. Ohne Ideen im Spiel nach vorne, Probleme im Spiel gegen den Ball, Fehlpässe. Die Verunsicherung war spürbar, auch Trainer Djuricin war sichtlich geknickt. „Ich geniere mich für die Leistung, die ich auf meine Kappe nehmen muss“, meinte der Coach.

Seine Rotation brachte keinen Erfolg, von den vier Neuen konnte einzig der 19-jährige Mert Müldür halbwegs überzeugen. „Gegen den Ball sind wir zu passiv, als Mannschaft agieren wir zu weit auseinander und vor allem fordern wir zu wenig Bälle“, resümierte Kapitän Stefan Schwab. Thomas Murg beschrieb dasselbe grundsätzliche Problem: „Keiner wollte den Ball haben.“

Die spärliche Punkteausbeute gerät da sogar in den Hintergrund. „Das macht mir zur Zeit weniger Sorgen, sondern eher wie wir auftreten“, meinte Schwab. „Wir müssen schnellstmöglich schauen, dass wir elf Spieler auf den Platz kriegen, die kämpfen, die marschieren und die Leistung bringen.“ Er selbst ist gegen Bratislava wegen Oberschenkelproblemen fraglich.

Bemerkenswert auch eine Statistik vom Sonntag: Dass ein Gegner, wie in diesem Fall der WAC, im Allianz Stadion 17 Schüsse abgeben kann, gab es zuvor nur einmal, als Salzburg heuer im Mai 4:1 siegte. Präsident Krammer meinte nach der WAC-Partie: „Der Allgemeinzustand ist geprägt durch das heutige Spiel. Das Beste ist, dass der Rasen gehalten hat.“ (joe)

 

Bundesliga 3. Runde

SP S U N T P
1. Salzburg 3 3 0 0 6 9
2. St. Pölten 3 2 1 0 3 7
3. Sturm 3 2 0 1 0 6
4. Rapid 3 1 2 0 3 5
5. WAC 3 1 1 1 0 4
6. LASK 3 1 1 1 -1 4
7. Hartberg 3 1 0 2 0 3
8. Innsbruck 3 1 0 2 -1 3
9. Austria 3 1 0 2 -2 3
10. Mattersburg 3 1 0 2 -3 3
11. Admira 3 1 0 2 -3 3
12. Altach 3 0 1 2 -2 1

 

Ergebnisse: Rapid – WAC 0:0, Admira – LASK 0:1, St. Pölten – Sturm 2:0, Salzburg – Austria 2:0, Altach – Innsbruck 1:2, Hartberg – Mattersburg 4:2.

Nächste Runde, Samstag: Salzburg – Hartberg, Mattersburg – WAC, Innsbruck – St. Pölten (je 17 Uhr). Sonntag: Sturm – Altach, Lask – Rapid, Austria – Admira (je 17 Uhr).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2018)

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