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Zusatzstoff bei Kunstschnee: Tirol diskutiert über "rote Linie"

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SymbolbildAPA/BARBARA GINDL
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Das Tiroler Landesverwaltungsgericht genehmigt Zusatzstoffe für Kunstschnee unter bestimmten Auflagen. Landeshauptmann Platter droht mit der Streichung von Förderungen und lässt ein Verbot prüfen.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat sich gegen künstliche Zusatzstoffe bei der Produktion von Kunstschnee ausgesprochen. Platter gab in einer Aussendung das "politische Bekenntnis" ab, auch in Zukunft auf jeglichen Zusatz bei der Schneeerzeugung verzichten zu wollen. "Als Tourismusland Nummer eins setzen wir auf hundertprozentige Authentizität. Künstliche Zusatzstoffe passen für mich nicht zu einem glaubwürdigen Tiroler Naturerlebnis", erklärte der Landeshauptmann in einer Reaktion auf das Erkenntnis des Tiroler Landesverwaltungsgerichts (LVwG), das Zusatzstoffe für Kunstschnee unter bestimmten Auflagen genehmigte.

Landesverwaltungsgericht erlaubt Zusatzstoff

Konkret geht es um den Zusatzstoff "Snomax". Die Seefelder Bergbahnen hatten einen negativen Bescheid beim LVwG bekämpft. Nun hieß es in dem Urteil: "Eine wasserrechtliche Bewilligung kann nicht aufgrund allfälliger Imageschäden oder aufgrund der öffentlichen Meinung versagt werden", zitierte die "Tiroler Tageszeitung" in ihrer Dienstagsausgabe das LVwG. Nachdem das von der Wasserrechtsbehörde durchgeführte Ermittlungsverfahren unbestritten ergeben habe, dass der Einsatz des Zusatzstoffes Snomax keine negativen Auswirkungen auf Mensch, Tiere, Pflanzen und die Umwelt erwarten lasse und auch sonst keine Beeinträchtigungen von rechtlich relevanten öffentlichen Interessen zutage getreten seien, habe das Landesverwaltungsgericht der Beschwerde Folge zu geben, heißt es in dem Erkenntnis.

Snomax enthalte bestimmte Proteine, durch die der Kristallisationsprozess verbessert werden soll, schreibt die Firma auf ihrer Homepage. Mit Snomax gefriere Wasser schneller, gleichmäßiger und der Schnee bleibe länger erhalten. Das Unternehmen verspricht bis zu 40 Prozent mehr Schnee mit einer besseren Schneequalität.

Förderungen streichen?

Politisch bekennt sich die Tiroler Landesregierung jedoch zum Verbot derartiger Zusatzstoffe. "Ich muss mir das noch im Detail anschauen, aber letztlich bleibt das Bekenntnis der Regierung aufrecht, dass keine Zusatzstoffe bei der Beschneiung verwendet werden sollen", sagte LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) zur "Tiroler Tageszeitung".

Und Landeshauptmann Platter kündigte nun an, die Infrastrukturförderungen entsprechend anzupassen. "Wir werden in der künftigen Richtlinie keine Infrastrukturförderungen etwa für Seilbahnen mehr gewähren, wenn außer Wasser und Luft künstliche Zusatzstoffe zur Beschneiung verwendet werden", sagte der Landeschef. Für den Fall, dass dennoch Zusatzstoffe verwendet werden, sei keine Förderung auszubezahlen bzw. die Förderung zurückzuzahlen.

Und Platter brachte auch legistische Maßnahmen ins Spiel. "Es ist höchst an der Zeit, auch rechtlich alle möglichen Maßnahmen für ein Verbot von Zusatzstoffen bei der Schneeerzeugung zu erheben", meinte er. "Daher habe ich heute in Auftrag gegeben, eine gesetzliche Grundlage zu prüfen, dass wir künstliche Zusatzstoffe bei der Schneeproduktion ausschließen können", so der Landeshauptmann.

Seilbahnwirtschaft: "Rote Linie"

Bereits zuvor hatte sich die Seilbahnwirtschaft am Dienstag gegen Zusatzstoffe ausgesprochen - und ein politisches Machtswort gefordert. Die Seefelder Bergbahnen würden laut Seilbahnen-Obmann, Abg. Franz Hörl (ÖVP) damit eine rote Linie überschreiten. Hörl forderte ein Machtwort seitens der Landespolitik. "Wenn schon die Gerichte hier keine Sensibilität haben, dann ist die Politik am Zuge", meinte der Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen der Wirtschaftskammer und ÖVP-Wirtschaftsbundchef in einer Aussendung.

Der Nutzen der Zusatzstoffe stehe laut dem ÖVP-Nationalratsabgeordneten in keiner Relation zum möglichen Schaden. "Wir werden jedenfalls die schwarzen Schafe namhaft machen und überlegen eine Aufstellung jener Skigebiete zu veröffentlichen, die sich an unser selbst auferlegtes Reinheitsgebot halten", so der Seilbahnen-Chef. Eine überwältigende Mehrheit der heimischen Skidestinationen stehe zum Reinheitsgebot, fügte Hörl hinzu.

(APA/Red.)