Automarkt: Bei Saab laufen die Fließbänder an

Automarkt Saab laufen Fliessbaender
Automarkt Saab laufen Fliessbaender(c) EPA (ANDREW GOMBERT)
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500 Autos sollen in dieser ersten Woche gebaut werden, in drei Wochen will man die Produktion verdoppeln, bis zu 60.000 Pkw sollen es bis Jahresende werden.

Kopenhagen. Viele Arbeiter in den Fabrikhallen in Trollhättan hatten Knöpfe mit „I love Saab“ angesteckt. Das erste halbfertige Modell, das am Montag vom Fließband rollte, trug eine Schärpe: „Nummer 001 einer neuen Ära“. Alle klatschten, als Konzernchef Jan-Åke Jonsson und der neue Eigentümer, Victor Muller, den Wagen in Empfang nahmen. Das neue Zeitalter für die schwedische Kultmarke Saab hat zwar schon Ende Jänner begonnen, als der winzige niederländische Sportwagenhersteller Spyker Saab vom US-Giganten General Motors übernahm. Doch sichtbar wurde die Auferstehung der totgesagten Marke erst an diesem Montag, als nach langen Wochen des Stillstands die Bänder wieder anliefen.

500 Autos sollen in dieser ersten Woche gebaut werden, in drei Wochen will man die Produktion verdoppeln, bis zu 60.000 Pkw sollen es bis Jahresende werden. Das ist zwar nur die Hälfte der 2007 hergestellten Modelle, aber fast doppelt so viel wie im katastrophalen Vorjahr. Da schlitterte Saab der Pleite entgegen, und als GM im Dezember die Stilllegung der schwedischen Tochter ankündigte, wurden alle Verträge mit den Zulieferern gekündigt. Deshalb fehlten Saab die Einzelteile, als die Übernahme durch Spyker die Schließung abwandte.

Die Zukunft bleibt unsicher

„Endlich, die Lager sind leer“, seufzen die Saab-Händler. In 250 Filialen auf dem für Saab sehr wichtigen US-Markt stehen nur noch 500 Limousinen zum Verkauf, im Februar wurden in den USA ganze 97 Autos verkauft. Jetzt sollen die Halden mit den ersten 2500 Stück der neuen Produktion aufgefüllt werden, und dann ist Europa dran. Die erste Aufgabe werde sein, Vertrauen zu schaffen, sodass auch die Kunden an das Überleben von Saab glauben, sagt Jonsson. 2011 will Saab 100.000 Autos verkaufen, ein Jahr später in der Gewinnzone sein, lautet der optimistische Fahrplan von Spyker-Chef Muller, der meint, den Konzern schon mit 80.000 Limousinen aus den roten Zahlen steuern zu können.

Dank eines 400-Millionen-Euro-Kredits der Europäischen Investitionsbank und der dafür nötigen Staatsgarantien aus Stockholm ist Saabs nähere Zukunft gesichert. Doch wer als Geldgeber für das langfristige Überleben sorgen soll, ist unklar. Der russische Spyker-Investor Wladimir Antonow darf sechs Jahre lang beim Geschäft mit Saab keine Rolle spielen: Das war eine Verkaufsbedingung von GM. Die CIA hatte wegen Antonows angeblicher Verbindungen zu Mafiakreisen bei dem am US-Staatstropf hängenden Konzern interveniert.

Die Skepsis in der Branche bleibt groß. Schließlich hat Saab in den 20 Jahren unter den Fittichen des damals weltgrößten Autobauer GM fast ständig Verluste eingefahren. Damals war auch eine Produktion von 135.000 Autos im Jahr nicht genug, um rentabel zu sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2010)

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