Kontrollamtschef Hechtner wird Magistratsdirektor. Damit kann er nicht mehr den Job der schwachen Opposition erledigen.
Er ist kompromisslos. Er ist unbestechlich. Und er ist der unangenehmste Kritiker der SP-Stadtregierung, wenn es um Skandale und Missstände innerhalb der Stadt Wien geht, die er in regelmäßigen Abständen mit seinem Team auch noch aufdeckt. Anders formuliert: Er ist so, wie die brustschwache Wiener Opposition gerne wäre.
Die Rede ist von Erich Hechtner (52), scheidender Chef des Wiener Kontrollamts, dessen Ära am Wochenende offiziell eingeleitet wurde – mit einer Ausschreibung, in der ein Nachfolger für Hechtner gesucht wird.
Der gebürtige Steirer, der beispielsweise mit dem Kontrollamtsbericht über das Millionengrab bei der Neugestaltung des Prater-Vorplatzes dafür gesorgt hat, dass die damalige Vizebürgermeisterin Grete Laska nun sehr viel Zeit hat, um sich um ihre Enkelkinder zu kümmern, steigt zum Magistratsdirektor auf – womit rund 80.000 Beamte der Kontrolle Hechtners unterliegen. Derzeit kursieren Gerüchte, dass Hechtner vom kritischen Kontrollamt „weggelobt“ worden sei. Immerhin: Neben Grete Laska hat Hechtner auch dafür gesorgt, dass Herbert Jansky (ein enger Vertrauter von Bundeskanzler und Ex-Wohnbaustadtrat Werner Faymann) nach Ermittlungen des Kontrollamts nicht mehr Geschäftsführer einer Wiener-Wohnen-Tochterfirma ist, sondern eine Chance zur beruflichen Neuorientierung bekam – wie die Ablöse nach gravierenden Missständen in der Managementsprache formuliert wird.
Wieso steigt jener Mann, der mit seiner Arbeit die SP-Stadtregierung stärker unter Druck gesetzt hat als alle Oppositionsparteien gemeinsam, nun zum Magistratsdirektor auf? Hat Häupl einen unangenehmen Kritiker weggelobt? Die Optik scheint auf den ersten Blick so, ist aber falsch: Hechtner hat als Kontrollamtsdirektor für Häupl einen wichtigen Job erledigt. Die Vorgaben: Probleme im Magistrat so früh aufzudecken, damit die SP-Stadtregierung noch rechtzeitig handeln kann, bevor sich diese Probleme zu einem unkontrollierten (politischen) Flächenbrand auswachsen können. Zweite Vorgabe: Das Magistrat muss so weit wie möglich „sauber“ sein. Wobei Häupl diese Vorgabe nicht aus altruistischen Gründen gab: Skandale in den Weiten der städtischen Verwaltung sorgen für einen veritablen Erklärungsnotstand bei den zuständigen SP-Stadträten, konterkarieren die Illusion von Wien als die am besten verwaltete Stadt der Welt – und wirken sich damit bei Wahlen aus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2010)