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Bischof: Ohrfeige kann hilfreich sein

Bischof Ohrfeige kann hilfreich
Fischer(c) APA/DIETMAR STIPLOVSEK (DIETMAR STIPLOVSEK)
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Feldkirchs Bischof Elmar Fischer bestreitet Gewaltvorwürfe. Im Einzelfall spricht er "solchen Aktionen" aber pädagogische Wirkung zu. "Es hat mir geholfen aufzuwachen", soll der Geohrfeigte dazu gesagt haben.

WIEN. „Dass solche Aktionen sogar hilfreich sein können für junge Menschen...“ Mit diesem Nebensatz sorgt der Feldkircher Bischof Elmar Fischer für Aufsehen, denn gemeint ist damit körperliche Gewalt in Form von Ohrfeigen. Auch, und das hat er bei derselben Pressekonferenz wenige Minuten zuvor gesagt, wenn er persönlich gegen Gewalt und Gewalterziehung sei. Um gleich darauf nachzulegen, dass einem „doch dann und wann“ die Hand ausrutscht.

Hintergrund der Pressekonferenz ist der im Magazin „Profil“ erhobene Vorwurf, Fischer habe vor mehr als 40 Jahren auf einem Sommerlager der Katholischen Arbeiterbewegung drei Jugendliche als Strafmaßnahme geschlagen – und danach aus dem Lager geworfen. Ein Vorwurf, den der Bischof bestreitet. Er könne sich nicht erinnern, überhaupt an dem betreffenden Lager teilgenommen zu haben, noch, so etwas getan zu haben. „Das sind Dinge, die bei mir nicht so programmiert sind.“

Und doch hat er bereits am Wochenende in einem Hirtenbrief eingestanden, dass er einmal einem Jugendlichen eine Ohrfeige gegeben habe. Und in diesem konkreten Einzelfall, so der Bischof, sei diese Form der Pädagogik hilfreich gewesen. „Es hat mir geholfen aufzuwachen“, soll der Geohrfeigte – mittlerweile selbst Priester – dazu gesagt haben.

 

„Bagatellisierung“

„Fischers Meldung ist ein Unsinn“, sagt Psychotherapeut und Pädagoge Manfred Pawlik. Es gebe wissenschaftlich keine Rechtfertigung für Gewalt in der Erziehung. Die Aussage des Bischofs sei der Versuch der Bagatellisierung und der Selbstentlastung. Man könne zwar verstehen, dass solche Dinge „als Ausdruck der Hilflosigkeit“ in der Erziehung passieren können, doch dürfe man das keinesfalls mit Verständnis gleichsetzen: „Wenn es passiert, muss man darüber reden, sich entschuldigen.“ Und es nicht im Nachhinein als gerechtfertigt bezeichnen. Denn durch die Bagatellisierung würden sich auch die Opfer damit identifizieren – klassische Aussage: „Es hat mir nicht geschadet.“

In Wirklichkeit werde hier Macht ausgeübt, wie sie zwischen Menschen, ob Kinder oder Erwachsene, „prinzipiell abzulehnen“ sei. Mittlerweile herrsche in der Wissenschaft der breite Konsens, dass Gewalt in der Erziehung nichts verloren hat – was seit 1989 mit dem Kindschaftsrechts-Änderungsgesetz auch gesetzlich festgeschrieben ist.

Bischof Fischer will, so erklärt er, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe jedenfalls von der Ombudsstelle der Diözese prüfen lassen. Er wolle auch mit den drei betroffenen Männern über den Vorfall sprechen. Und schließlich wehre er sich, als Befürworter der „gesunden Watschen“ gesehen zu werden – es sei ihm nur um jenen Einzelfall gegangen, bei dem sie doch hilfreich gewesen sei.

 

Umstrittener Geistlicher

Fischer hat schon mit einigen seiner Aussagen für Aufregung gesorgt. Unter anderem hat er vergangenes Jahr behauptet, Homosexualität sei heilbar – und sich am nächsten Tag dafür entschuldigt. Er sei „von einem offenkundig nicht mehr letztaktuellen wissenschaftlichen Stand der Literatur“ ausgegangen. Meinung, Seite 27

ZUR PERSON

Elmar Fischer (*6.10.1936) ist seit Juni 2005 Diözesanbischof von Feldkirch. Im Februar 2009 sorgte er für Aufsehen, als er Homosexualität als „psychische Krankheit“ bezeichnete, die heilbar sei. Eine Aussage, für die er sich später entschuldigte.

Vorwürfe gegen Fischer wurden zuletzt von einem ehemaligen Zögling erhoben: In den 1960er-Jahren soll er drei Jugendliche geschlagen haben. Fischer bestreitet das, gibt aber eine Ohrfeige bei einer anderen Gelegenheit zu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2010)