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Kika/Leiner baut 1100 Jobs ab

René Benko
René BenkoHANS KLAUS TECHT / APA / picturedesk.com
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Der neue Kika/Leiner-Eigentümer Signa fährt einen harten Sanierungskurs: 1100 der 5100 Jobs gehen verloren. Leiner in Innsbruck und Wr. Neustadt, Kika in Vösendorf und Spittal/Drau sperren zu.

Wien. Am Donnerstagnachmittag tagten die Führungsgremien bei Kika/Leiner, wurden der Aufsichtsrat und der Betriebsrat über das wahre Ausmaß der Restrukturierung des zweitgrößten Möbelhändlers Österreichs informiert. René Benkos Signa-Gruppe, die den angeschlagenen Konzern im Juni übernommen und vor der Pleite gerettet hat, muss nun doch umfangreiche Sanierungsschritte setzen. Dem Vernehmen nach werden heute, Freitag, beim Arbeitsmarktservice 1100 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet. Somit verliert jeder fünfte Kika/Leiner-Angestellte den Arbeitsplatz. Zuletzt hatte das Unternehmen in Österreich 5100 Mitarbeiter.

Von den 46 Filialen werden vier Standorte mit Ende des Jahres geschlossen. Betroffen sind die Leiner-Filialen in Innsbruck und Wiener Neustadt sowie die Kika-Niederlassungen in Vösendorf und Spittal an der Drau. Am Donnerstagabend wurde den Mitarbeitern an diesen Standorten nach Dienstende diese bittere Botschaft überbracht. Viele Angestellte wurden von ihren Kollegen im Urlaub davon informiert, dass sie nur noch bis 31.Dezember einen Job haben.

Dieser harte Personalabbau und rigorose Sanierungskurs erinnert frappant an die Übernahme von Karstadt in Deutschland. Auch dort wurden 20 Prozent der Mitarbeiter gekündigt. Binnen weniger Jahre wurde die Kette aus den roten Zahlen geführt. Und auch bei Kika/Leiner trifft es neben den Mitarbeitern an den vier Standorten, die geschlossen werden, vor allem Jobs in der Zentrale und in der Verwaltung. So werden etwa in der Zentrale in St.Pölten dem Vernehmen nach 100 Arbeitsplätze eingespart. Zudem soll die Logistik neu organisiert werden. Die Filialaußenlager in Innsbruck und Wiener Neustadt werden aufgelöst.

Die harten Einschnitte seien „alternativlos für die Zukunft des Unternehmens“, hieß es am Donnerstag. Wie „Die Presse“ aus Verhandlungskreisen erfahren hat, soll es in den 42 Kika/Leiner-Filialen, die erhalten bleiben, bei den Verkäuferinnen und Verkäufern kaum Personalabbau geben. „Die Kunden sollen nichts von den Sparmaßnahmen merken“, lautet die Devise. Kika/Leiner wolle bei seiner Kernkompetenz Beratung und Kundenservice nicht einsparen. Der Onlinebereich soll sogar ausgebaut werden.

 

Steinhoff-Episode schnell abhaken

Wenige Minuten nachdem die letzten Kika/Leiner-Filialen am Donnerstag um 18.30 Uhr geschlossen hatten, ging das Unternehmen mit einer kurzen Aussendung an die Öffentlichkeit. Darin heißt es: „Die Strategie des Vorbesitzers, Kika/Leiner als Teil eines globalen Möbelkonzerns zu positionieren, hat das Unternehmen an den Rand der Insolvenz geführt.“ Es hat also den Anschein, als wollte der neue Eigentümer, die Signa Retail Gruppe, die vergangenen fünf Jahre von Kika/Leiner ganz schnell abhaken.

2013 wurde der bis dahin florierende Möbelhändler an die südafrikanische Steinhoff-Gruppe verkauft. Im Dezember 2017 wurden bei Steinhoff Unregelmäßigkeiten in Milliardenhöhe festgestellt. Seither ermittelt in mehreren Ländern die Justiz gegen ehemalige Manager, die Aktien des Unternehmens fielen ins Bodenlose. Kika/Leiner wurde in den Sog des Mutterkonzerns mitgerissen. Anfang Juni trat schließlich die Signa-Gruppe des Innsbrucker Immobilieninvestors René Benko auf den Plan und kaufte Kika/Leiner um kolportierte 450 bis 600 Millionen Euro.
Dass es bei Kika/Leiner nicht ohne schmerzhafte Maßnahmen abgehen würde, war von Beginn an klar. Noch bevor Benko übernahm, waren im Frühjahr in Bruck an der Mur ein Leiner- und in Wolfsburg ein Kika-Möbelhaus geschlossen worden. Auch die Schließung der beiden Standorte der Billigkette Lipo in Ansfelden und Langenzersdorf wurde noch in der Steinhoff-Ära veranlasst.

 

Geschäftsführer George muss gehen

Nun sollen umgehend Verhandlungen über einen Sozialplan starten. Kika/Leiner hat die Bürgermeister der betroffenen Standorte informiert. Auch Niederösterreichs Landesregierung ist alarmiert. „Für uns ist das ein herber Schlag“, sagte Landesrat Martin Eichtinger zur „Presse“. Allein in Niederösterreich wird es wohl 500 Kika/Leiner-Mitarbeiter erwischen. Der für den Arbeitsmarkt zuständige ÖVP-Politiker sicherte den Betroffenen Hilfe zu. Auch an den beiden nun geschlossenen Standorten Vösendorf und Wiener Neustadt soll die Wirtschaftsagentur des Landes, Eco plus, sofort damit beginnen, neue Betriebe anzusiedeln.

Bei den gestrigen Verhandlungen über die Zukunft von Kika/Leiner hat übrigens ein wichtiger Mann gefehlt: Gunnar George, der Geschäftsführer der Möbelkette, ist mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Sein Vertrag läuft mit Ende des Jahres aus.

ZUR PERSON

René Benko: Mit 17 Jahren hatte der Tiroler erste Kontakte zur Immobilienbranche, inzwischen gilt der 40-Jährige als Tycoon. Meilensteine seiner Signa Holding waren die Übernahme von Karstadt und jene von Kika/Leiner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2018)