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Bregenzer Festspiele: Tonaler Trost in tristen Zeiten

Brillante Solisten: Olivia Vermeulen (Saiko) und Sarah Aristidou (Shoko), die von Larcher in aberwitzige Höhen getrieben wird.
Brillante Solisten: Olivia Vermeulen (Saiko) und Sarah Aristidou (Shoko), die von Larcher in aberwitzige Höhen getrieben wird.(c) Bregenzer Festspiele/Anja Köhler
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Kritik Einhellige Begeisterung für die Uraufführung von Thomas Larchers Oper „Das Jagdgewehr“, inszeniert von Karl Markovics und mit Michael Boder am Pult.

Wenn im ersten Akt ein Gewehr an der Wand hängt, muss es im letzten Akt auch abgefeuert werden, war Anton Tschechow überzeugt. Vermutlich ist diese dramaturgische Kardinalregel mittlerweile zum Klischee erstarrt – oder zu westlich gedacht. Yasushi Inoue reicht im Roman „Das Jagdgewehr“ (1949) die Andeutung: Josuke legt die Waffe auf seine Frau Midori an – aber weder ist sie geladen, noch drückt er ab. Er weiß nicht, dass sie von seinem Verhältnis mit ihrer Freundin Saiko weiß – bis Midori Saiko mit ihrem Wissen konfrontiert. Diese wählt den Freitod, zuvor trägt sie ihrer Tochter Shoko auf, ihr Tagebuch zu verbrennen. Diese tut es nicht, erfährt daraus von der Affäre und will von Josuke nichts mehr wissen; Midori trennt sich von ihm. In einem Gedicht erkennt sich Josuke plötzlich wieder und schickt dem Autor drei Briefe dieser Frauen, die alle aus seinem Leben verschwunden sind.