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Facebook-Nachteile: "Wir sind alle zu naiv"

FacebookNachteile sind alle naiv
(c) Michaela Bruckberger
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Im Gespräch mit DiePresse.com erklärt Datenspezialist Pete Warden, in welche Richtung sich die Privatsphäre im Internet bewegt und warum Facebook trotzdem noch die netteste Umgebung im Web ist.

Viele Benutzer auf Facebook lassen ihre Profildaten öffentlich ins Internet strömen. Der ehemalige Apple-Entwickler Pete Warden hat 210 Millionen Profile ausgewertet und miteinander verknüpft. Darunter befinden sich auch Personen aus Österreich. So zeigt sich etwa, dass diese Benutzer den Energy-Drink "Red Bull" und die Schauspielerin Megan Fox besonders gern haben. DiePresse.com hat mit Warden über die aktuellen Probleme in Sachen Datenschutz im Allgemeinen und auf Facebook im Speziellen geredet.

DiePresse.com: Sie haben mehr als 200 Millionen Profildaten von Facebook ausgewertet. Haben Sie dafür selbst eine Software geschrieben?

Pete Warden: Ich haben meinen eigenen Crawler geschrieben, der demjenigen sehr ähnlich ist, den ich für Google-Profile veröffentlicht habe.

Crawler

Software, die das Web nach Informationen abgrast, manchmal auch Bot oder Web Spider genannt. Wardens Methode, um Google-Profile abzugrasen, ist auf seinem Blog erhältlich.

Viele Menschen haben Datenschutzbedenken, wenn sie an Social Networks teilnehmen. Glauben Sie, dass die aktuellen Optionen, die etwa auf Facebook verfügbar sind, ausreichen? Sie haben selbst eine Methode entdeckt, mit der man Profilinformationen erlangt, ohne sich überhaupt bei Facebook anzumelden. Sollten die Menschen besorgt sein?

Warden: Ich denke, wir müssen bessere gesellschaftliche Konventionen dafür entwickeln, was wir online stellen. Es wird immer Löcher in selbst der besten Sicherheit geben und die beeindruckende Anzahl an Benutzerinhalten eröffnet neue Methoden, um Informationen aus scheinbar harmlosen öffentlichen Daten zu ziehen. Um ehrlich zu sein bin ich mir nicht sicher, was die endgültige Antwort sein wird, aber ich denke, wir geben uns alle so offen online, weil wir ein bisschen zu naiv sind, was die Nachteile angeht.

Benutzer stellen Informationen auf Social Networks, womit sie diese an die Betreiber des jeweiligen Dienstes weitergeben. Kann man heutzutage noch etwas sein Eigentum nennen, was man online stellt?

Warden: Es ist schwierig etwas zu besitzen, was sich problemlos vervielfältigen lässt. Ein großes Problem, dem sich Datenschutzorganisationen wie die FTC gegenüber sehen ist, dass sie nicht sagen können, woher die Daten ursprünglich kommen, sobald sie einmal in eine Datenbank gestellt werden. Waren es öffentliche Informationen aus einem Telefonbuch oder private Daten aus einem Unternehmen, die gegen deren Nutzungsbedingungen verteilt wurden? Man kann das unmöglich sagen.

FTC

Die Federal Trade Commission dient vorrangig dem Konsumentenschutz in den USA. Sie wurde 1914 ins Leben gerufen und hat nicht nur mit Kartellverfahren, sondern auch Datenschutzanliegen zu tun.

Die Daten, durch die sich Forscher quälen müssen, wachsen täglich an. Gibt es eine Gefahr eines Informations-Überflusses, wen man nicht mehr kontrollieren kann?

Warden: Ich weiß nichts von einem Überfluss, aber es wird definitiv ein paar unerwartete Anwendungen geben, wenn Leute anfangen, einige dieser großen Datensätze mit einander zu verknüpfen.

Wenn Daten, die man online stellt, nicht privat gehalten werden können, ist es eine brauchbare Option, falsche Informationen einzutragen? Viele Facebook-Nutzer sind mit falschen Namen vertreten?

Warden: Es scheint brauchbar, aber man verliert damit auch die Zurechenbarkeit, die Facebook zu einer viel netteren Umgebung macht als die alten Usenet-Gruppen, wo jeder effektiv anonym war.

Usenet

Seit rund 30 Jahren existiert das Konzept des Usenet. Benutzer können sich darin in Newsgroups über diverse Themen austauschen. Es gilt als Vorreiter der heutigen Internetforen. Im Gegensatz dazu sind die Inhalte aber nicht zentral gelagert sondern weltweit verteilt.

Sollten Online-Daten eine Art Ablaufdatum haben, so wie es etwa der Harvard-Forscher Viktor Mayer-Schönberger fordert? >> siehe Artikel "Das Internet sollte Vergessen lernen"

Warden: Ich weiß nicht, ob es das geben soll, aber ich sehe keinen praktischen Weg, wie man diese Idee durchsetzen könnte.

Sind Erwachsene derzeit zu verklemmt, was Datenschutz anbelangt? Wird das Konzept bald durch eine sorgenfreiere Einstellung abgelöst, wie sie bereits viele der jungen Web-Nutzer praktizieren?

Warden: Ich denke eher, wir befinden uns in einer neuen Umgebung und die Menschen wurden von den Problemen noch nicht genug gezwickt, um kulturelle Regeln über sicheres Verhalten in dieser Umgebung zu entwickeln. Wir werden uns nicht zu den alten Einstellungen zurück bewegen, aber das Pendel wird definitiv wieder zurück in diese Richtung schwingen. Ich erwarte mir, dass eine Menge Schauergeschichten wie die des Craigslist-Killers ein großer Treiber dafür sein werden.

Craigslist-Killer

Im Jahr 2009 soll sich der 22-jährige Philip Markoff über den US-Anzeigendienst Craigslist Opfer für Raubüberfälle gesucht haben. Dabei endete einer der Überfälle für die 26-jährige Julissa Brisman tödlich. Markoff wurde wegen Mord und bewaffnetem Raub angeklagt.

Sie haben eine Zeit lang für Apple gearbeitet. Was halten Sie von Apples Online-Strategie, die vorrangig aus iTunes und dem iPhone besteht?

Warden: Ich habe da keinen Einblick, sondern habe rein auf Seiten der Desktop-Software gearbeitet. Obwohl, Ich könnte es Ihnen sagen, aber dann müsste ich Sie töten.