Baustoffe

Holz: Nachwachsender Baustoff mit Wohlfühlfaktor

(c) Clemens Fabry

Auf dieses Material entfällt bereits rund ein Viertel des heimischen Bauvolumens. Vieles spricht für die Holzbauweise, etwa die kurzen Bauzeiten. Nachteile, wie die Hellhörigkeit, lassen sich laut Experten beheben.

Der Baustoff Holz setzt seinen Siegeszug fort: Einfamilienhäuser, aber auch Schulen, Altersheime und viele andere Gebäude werden zunehmend aus dem nachwachsenden Rohstoff errichtet. Und das sowohl in Skelett- als auch in Massivbauweise. Mittlerweile macht der Holzbau in Österreich fast ein Viertel des gesamten Bauvolumens aus.

Die Gründe dafür liegen für Matthias Ammann, Geschäftsführer der Vorarlberger Holzbau?unst, auf der Hand. Das beginne beim Gewicht: „Holz ist im Vergleich zu anderen Materialien leicht, hat aber gleichzeitig eine hohe Tragfähigkeit.“ Bei Gebäudeaufstockungen sei es aus statischen Gründen oft das einzige infrage kommende Material. „Holz ist deshalb für die Nachverdichtung in Ballungsräumen von großer Bedeutung. Und das wiederum hilft, die Bodenverschwendung einzubremsen.“ Zudem seien Holzbauten erdbebensicher, nennt Ammann einen weiteren Pluspunkt.

Noch ein Argument für die Holzbauweise ist der hohe Vorfertigungsgrad von Wand- und Deckenelementen. Ganze Räume oder auch nur die einzelnen Wände können im Werk erzeugt und dann auf die Baustelle gebracht werden. „Inklusive der Haustechnik“, betont Werner Schuster, Leiter der Kompetenzstelle für soziale und kulturelle Infrastruktur der Stadt Wien. Das reduziert die Bauzeiten deutlich – ein Grund, warum Wien etwa bei Schulbauten seit Jahren auf Holz setzt. Dass bei Holzbauweise keine Feuchtigkeit ins Gebäude eingebracht wird und so die Trocknungszeiten entfallen, verkürzt die Baudauer ebenfalls.

 

Räume zum Wohlfühlen

Zudem hat Holz aus ökologischer Sicht einiges zu bieten: „Es ist ein regionaler, nachwachsender Rohstoff“, sagt Astrid Scharnhorst vom Österreichischen Institut für Bauen und Ökologie. Weiters bindet jeder Kubikmeter verbautes Holz langfristig eine Tonne CO2. Darüber hinaus ist der Energieaufwand bei der Verarbeitung deutlich geringer als bei Stahl oder Beton. Dazu kommt die hohe Recyclingfähigkeit. „Man kann Holzbauten am Ende ihres Lebenszyklus gut trennen“, sagt Scharnhorst. Ein wenig komplizierter sei das allerdings, wenn es sich um Holz-Beton-Hybridlösungen handle.

Aber auch nach der Fertigstellung kann Holz punkten – etwa mit einem hohen Wohlfühlfaktor. „Es gibt Untersuchungen, dass Räume in Holzhäusern um zwei Grad weniger beheizt werden können, ohne dass es zu spüren ist“, erzählt Ammann. Zum angenehmen Raumklima trägt weiters bei, dass die Luftfeuchtigkeit quasi automatisch reguliert wird. Ist es zu trocken, gibt das Holz Feuchtigkeit ab. Ist es im Innenraum zu feucht, nimmt es diese wieder auf.

 

Und wenn es brennt?

Trotz all dieser Pluspunkte hat der Holzbau nach wie vor mit Vorurteilen zu kämpfen, wie den Themen Brennbarkeit und Lärm. „Holz ist aber bei Weitem nicht so brennbar, wie man glaubt“, sagt Schuster. Die bei einem Brand entstehende Holzkohle schütze das darunter liegende Holz, somit bleibe die Tragfähigkeit lang erhalten. Einen Nachteil hätten Holzhäuser allerdings: „Durch die Löschwasserschäden sind sie nur schwer zu sanieren.“ Könne das Löschwasser nicht abrinnen, beginne das Holz zu faulen. Wegen der Feuchtigkeit sei es auch nicht gerade sinnvoll, Holzhäuser ins Wasser, in den Hang oder in den Boden hineinzubauen, rät Ammann. „Kompetente Architekten und Zimmermeister kriegen das allerdings in den Griff“, weiß er.

Und wie steht es wirklich um den Lärm? Holz sei zwar tatsächlich recht hellhörig, sagen Schuster sowie Ammann, dennoch habe man die Schallübertragung mittlerweile im Griff. Dafür würden unter anderem Massivholzplatten, Holzrahmen mit Kiesschüttungen oder Holzverbunddecken sorgen.

Auch vor gesundheitsschädlichen Imprägnierungen müsse man sich nicht mehr fürchten: „Das Holz ist in der Regel unbehandelt“, sagt Amman. Kommen in den Innenräumen allerdings viele Holzverbundstoffe zum Einsatz, könnte es eventuell zu Schadstoffproblemen kommen, ergänzt Scharnhorst. Wichtig sei es daher, beim Innenausbau zu schadstoffgeprüften oder mit Gütesiegeln gekennzeichneten Materialien zu greifen.

Einen Tipp hat Amman für potenzielle Bauherren noch bereit: „Wer ein Holzhaus bauen will, sollte mit dem ,Holzkopf‘ denken.“ Oder, anders gesagt, bereits bei der Planung die Eigenschaften des natürlichen Baustoffs bedenken.

Was Sie beachten sollten beim . . . . . . Bauen mit Holz

Tipp 1

Vielseitig verwendbar. Die Bandbreite an Bauteilen aus Holz ist sehr groß: Vom unbehandelten Brett für Böden und Wände über statisch relevante Balken bis zum Fertigteilelement auf Holzbasis. Allerdings kommen auch Holzverbundstoffe zum Einsatz. Werden diese in Innenräumen verwendet, sollte man darauf achten, dass es sich um schadstoffgeprüfte Materialien handelt.

 

Tipp 2

Statik und Brandschutz. Holz bietet hohe Tragfähigkeit bei geringem Gewicht, das prädestiniert es z. B. für Gebäudeaufstockungen. Holzbauten gelten zudem als erdbebensicher. Und selbst was den Brandschutz betrifft, sind sie besser als ihr Ruf – mit der Einschränkung, dass Löschwasserschäden sich oft schwer beheben lassen. Denn bei Nässe beginnt Holz leicht zu faulen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2018)

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