Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Volksanwalt Günther Kräuter: „30 Prozent mehr Pflegegeld“

Volksanwalt Günther Kräuter will höheres Pflegegeld für niedrigere Pflegestufen, damit Betroffene eher zu Hause betreut werden können.
Volksanwalt Günther Kräuter will höheres Pflegegeld für niedrigere Pflegestufen, damit Betroffene eher zu Hause betreut werden können.(c) imago/photothek
  • Drucken

Die Zahl der Pflegegeldbezieher ist wieder gestiegen. Volksanwalt Günther Kräuter fordert ein spürbares Plus für alle Pflegestufen – und kritisiert die Pläne der Regierung.

Wien. Beinahe eine halbe Million Menschen beziehen in Österreich Pflegegeld. Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Sozialministerium hatten im Juni insgesamt 451.272 Personen Anspruch auf Pflegegeld. Das sind deutlich weniger als zu Jahresbeginn – damals wurden 458.636 Pflegegeldbezieher gezählt. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres ist die Zahl allerdings wieder um 2273 Personen bzw. um 0,48 Prozent gestiegen.

Die meisten sind in einer der niedrigeren Pflegegeldstufen: So entfallen – ähnlich wie im Vorjahr – rund 27 Prozent, das sind rund 123.000 Menschen, auf Stufe eins, 23 Prozent auf Stufe zwei, 18 Prozent auf Stufe drei, 15 Prozent auf Stufe vier, elf Prozent auf Stufe fünf, vier Prozent auf Stufe sechs und zwei Prozent (9200 Menschen) auf die Stufe sieben, also jene mit dem höchsten Pflegebedarf. Die Einstufung in die einzelnen Pflegestufen orientiert sich nach dem Pflegebedarf nach Stunden. In Stufe eins sind es 65 Stunden pro Monat, in Pflegestufe zwei 95 Stunden. Ab der fünften Stufe ist die dauernde Bereitschaft einer Pflegeperson erforderlich (180 Stunden). Das Pflegegeld in Stufe eins beträgt pro Monat 157,30 Euro, in Stufe sieben sind es 1688,90 Euro.

 

70 Prozent in den ersten drei Stufen

Volksanwalt Günther Kräuter pocht wegen der aktuellen Zahlen auf seine Forderung, das Pflegegeld für alle spürbar anzuheben. Die Pläne der Regierung, das Pflegegeld erst ab Stufe vier anzuheben, greifen seiner Ansicht nach zu kurz, weil fast 70 Prozent der Bezieher Pflegegeld der Stufen eins bis drei beziehen.

„Das Pflegegeld muss in allen sieben Stufen um 30 Prozent angehoben werden“, sagte der Volksanwalt am Sonntag laut einer Aussendung. „Nur so kann sichergestellt werden, dass Menschen mit geringerem Pflegebedarf daheim betreut werden können.“ Auch eine jährliche Valorisierung des Pflegegelds ist für Kräuter unerlässlich, um zukünftig einem zu starken Andrang auf stationäre Einrichtungen entgegenzuwirken.

Zudem ist laut dem Volksanwalt eine bessere Unterstützung von pflegenden Angehörigen notwendig. Er fordert einen Ausbau mobiler Dienste, die Möglichkeit einer Auszeit und die besondere Beachtung von Demenz und den damit verbundenen besonderen Herausforderungen.

Kräuter liegt damit auf einer Linie mit dem Fazit einer vom Sozialministerium beauftragten Studie, die am Donnerstag veröffentlicht wurde („Die Presse“ berichtete): Demnach sind in Österreich rund 947.000 Menschen in die Pflege und Betreuung ihrer Angehörigen involviert, rund 801.000 davon zu Hause. Meist sind es die Frauen, die pflegen: In der häuslichen Pflege liegt der Frauenanteil demnach bei 73 Prozent, in der stationären Langzeitpflege bei 63 Prozent.

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) versprach in einer Reaktion, die Studie genau zu analysieren. Man prüfe bereits „erste, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen“ zur Beratung und Sensibilisierung. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2018)