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Tiroler ÖVP-Mandatar wegen angeblich manipulierten Gewinnspiels in der Kritik

"Karin Kirchmair" kommentierte auf Schrotts Facebook-Profil.Screenshot: www.facebook.com/dominikschrott
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Dominik Schrott soll laut eines Berichts während seines Vorzugsstimmenwahlkampfs für die Nationalratswahl 2017 ein Gewinnspiel fingiert haben. Der Chef der zuständigen Werbeagentur ist Schrotts parlamentarischer Mitarbeiter.

Der Tiroler ÖVP-Nationalratsabgeordnete Dominik Schrott ist wegen eines angeblichen "Fake"-Gewinnspiels aus dem Nationalratswahlkampf 2017 unter Beschuss geraten. Bei diesem den Hauptpreis "gewonnen" haben soll eine auf Schrotts Facebook-Seite eingesetzte "falsche" Gewinnerin, berichtete der Blogger Markus Wilhelm auf seiner Seite "Dietiwag.org". Schrott hingegen sah nur einen "Fehler" der Agentur, die den Wahlkampf betreute.

Die Tagessieger von Schrotts Wahlkampfgewinnspiel erhielten laut Wilhelm ein T-Shirt mit verfremdeten Konterfeis von Schrott und ÖVP-Bundesparteichef Sebastian Kurz. Als Hauptpreis war eine "Snow Card Tirol" im Wert von 797 Euro ausgelobt. Über den Gewinner dieses Hauptpreises sollte unter den 23 Tagessiegern scheinbar das Los entscheiden. Im Glückstopf waren nach Angaben von Blogger Wilhelm 23 Loszettel, auf denen überall "Karin K." gestanden habe.

Schließlich wurde ein Los für die Eruierung des Hauptpreisgewinners gezogen - Wilhelm stellte das dazugehörige Schrott-Video online. "Karin K." stehe für Karin Kirchmair, Schrotts "Fake-Profil" auf Facebook, behauptet Wilhelm. Als ihr fiktiver Wohnort sei Innsbruck angegeben worden, die Teilnahme am Gewinnspiel aber auf Personen mit Meldeanschrift im Tiroler Oberland, Schrotts Wahlkreis, beschränkt gewesen.

Die "Glücksfee" der Ziehung sei zudem nicht - wie vom ÖVP-Politiker angegeben - aus dessen Wahlkreis gekommen, sondern es habe sich um eine in Innsbruck wohnhafte Mitarbeiterin von Schrotts dortiger Wahlkampfagentur "Smart Ventures" gehandelt.

"Karin Kirchmair" tauchte wieder auf

Schrott, auch Obmann der Jungen ÖVP in Tirol, meinte, dass in der Agentur offenbar ein Fehler passiert sei. Er habe damit nichts zu tun, da sich die Wahlkampfagentur - und nicht er - federführend um derartige Aktivitäten gekümmert habe. "Ich habe bereits mit dem Geschäftsführer gesprochen. Er will rechtliche Schritte prüfen lassen", sagte der Nationalratsabgeordnete. Die betreffende Mitarbeiterin, die als "Glücksfee" agierte, sei zudem nicht mehr bei der Agentur beschäftigt - es dürfte sich dabei um die Nichte des Geschäftsführers handeln, wie  "Der Standard" berichtete. Schrott selbst war nach eigenen Angaben bis Ende Oktober 2017 bei der Wahlkampfagentur "Smart Ventures" angestellt.

Wilhelm wartete indes mit einem weiteren schweren Vorwurf auf: Ebendiese "Glücksfee" sei wenig später als "Karin Kirchmair" bei einem Gewinnspiel der "Zillertaler Trachtenwelt" aufgetreten und gewann dort - einem online gestellten Foto zufolge - ein "neues iPhone X" im Wert von knapp 1000 Euro. Dieses habe sie aber nach dem Fototermin gleich wieder abgeben müssen - und dafür einen 50-Euro-Einkaufsgutschein für die Trachtenwelt erhalten. Der Hintergrund: "Smart Ventures" betreut auch die "Zillertaler Trachtenwelt".

Der 30-jährige Schrott, der wie Kurz aus der JVP kommt, hatte einen Vorzugsstimmenwahlkampf geführt und im Oberland seine Parteikollegin und damalige Abgeordnete Elisabeth Pfurtscheller hinter sich gelassen. Pfurtscheller kam als Spitzenkandidatin im Oberland auf 4365 Vorzugsstimmen und musste damit Schrott (7093 Vorzugsstimmen) weichen, der erstmals in den Nationalrat einzog.

Pfurtscheller verfolgt Causa mit "Schmunzeln"

Pfurtscheller verfolgte die Vorwürfe gegen ihren Parteikollegen am Dienstag nach eigenen Angaben mit einem "gewissen Schmunzeln". Ob die Vorwürfe stimmten, könne sie jedoch nicht beurteilen, sagte sie.

Besagtes Gewinnspiel habe Schrott vergangenen Herbst aber "mit Sicherheit nicht" den Sieg bei den Vorzugsstimmen gebracht, meinte Pfurtscheller: "Außerdem ist es ein Jahr her, und ich habe mit der Sache abgeschlossen und mich neu orientiert." Die aus dem AAB stammende Tiroler Bundesrätin betonte, dass sie lediglich über Facebook von den Vorwürfen erfahren habe, und nicht verifizieren könne, ob diese stimmten. "Sollte aber was dran sein, dann wäre es absolut nicht in Ordnung", sagte Pfurtscheller. Derartige Methoden sollten in der ÖVP keinen Platz haben.

Agenturchef ist parlamentarischer Mitarbeiter Schrotts

Schrotts Agentur sucht nun in den eigenen Reihen nach Schuldigen. Denn die entsprechenden Aufgaben seien "an Mitarbeiter der Agentur" delegiert worden, hieß es in einer Stellungnahme. Man habe Anwälte eingeschaltet.

"Kunden wie Dominik Schrott oder die Zillertaler Trachtenwelt" hätten zur Gänze die Agentur mit der Organisation und Durchführung der behaupteten Facebook-Gewinnspiele beauftragt, hieß es. "Sollte sich der Verdacht als wahr herausstellen, werden wir die Schuldigen zur Verantwortung ziehen", erklärte Thomas Ziegler, Geschäftsführer der Agentur Smart Ventures GmbH. Ziegler ist übrigens auch parlamentarischer Mitarbeiter von Schrott.

Nicht der erste Wirbel um Schrott

Für die Tiroler Sozialdemokraten ist Schrott nach den Vorwürfen neuerlich in Erklärungsnot geraten: Schrott sei bereits im vergangenen Herbst mit "fragwürdigen Facebook-Aktivitäten" aufgefallen, sagte der Tiroler SPÖ-Vizeparteichef Georg Dornauer in einer Aussendung am Dienstag.

Damals hätten sich politische Mitbewerber ungewollt unter seinen Facebook-Fans wiedergefunden. "Gefakte Sebastian Kurz-Briefe, gekaufte Facebook-Freunde und nun auch noch geschobene Gewinnspiele: Das Schrott-Bingo ist komplett", meinte Dornauer: "Parteichef Platter und Co. wären gut beraten, mit ihrem Vertreter im Nationalrat ein ernstes Wörtchen zu reden." Gerade junge Politiker sollten einen anderen Stil an den Tag legen, meinte der SPÖ-Politiker: "Schmutzen und tricksen gehören da nicht zur täglichen Arbeit."

>> zum Bericht auf "Dietiwag.org"

(APA)