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Tiroler ÖVP-Mandatar zieht nach Fake-Gewinnspiel personelle Konsequenzen

"Karin Kirchmair" kommentierte auf Schrotts Facebook-Profil.Screenshot: www.facebook.com/dominikschrott
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Nach einer offenkundigen Manipulation bei einem Gewinnspiel während des Nationalratswahlkampfes entlässt Dominik Schrott seinen parlamentarischen Mitarbeiter, der zugleich Geschäftsführer der Wahlkampfagentur ist. Schrott war Mitarbeiter der Agentur.

Der Tiroler ÖVP-Nationalratsabgeordnete Dominik Schrott zieht nun nach dem Wirbel um ein offenbar fingiertes Gewinnspiel im Zuge seiner Wahlkampagne personelle Konsequenzen: Er trenne sich von der Agentur, die für die Kampagne und das Gewinnspiel zuständig gewesen war, gab Schrott am Dientagnachmittag bekannt. Auch die Zusammenarbeit mit Thomas Ziegler, dem Geschäftsführer der Agentur, der gleichzeitig sein parlamentarischer Mitarbeiter war, beende er.

Seine Agentur habe im Wahlkampf bei dem Gewinnspiel einen Fehler gemacht, sagte Schrott. Neben dem Ende der Zusammenarbeit mit Ziegler und der Agentur werde er 1000 Euro als Ersatz für den Hauptpreis an die Hilfsorganisation SOS Kinderdorf spenden, "um alle weiteren Vorwürfe zu entkräften". Ihm sei ein "transparentes und sauberes Vorgehen wichtig". Zudem erklärte Schrott, "natürlich die politische Verantwortung für den Fehler der Agentur" zu übernehmen, ließ aber offen, was er darunter konkret versteht.

Schrott selber war bis Ende Oktober 2017, also noch während des Wahlkampfes, bei der Agentur Zieglers angestellt gewesen. Am Dienstagnachmittag war zudem bekannt geworden, dass jene Mitarbeiterin der Agentur, die als "Glücksfee" bei dem fingierten Gewinnspiel agiert hatte, die Nichte Zieglers gewesen sein dürfte - sie hat das Unternehmen schon vor einiger Zeit verlassen.

Tiroler ÖVP: Schrott "selbst verantwortlich"

Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft sah indes "keinen Anlass", ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. Dies erklärte Behördensprecher Hansjörg Mayr. Aus der Tiroler ÖVP hieß es, dass Schrott "als gewählter Abgeordneter zum Nationalrat für sein Handeln zuallererst selbst verantwortlich" sei. Er sei gefordert, "alle notwendigen Schritte zu setzen, um für Aufklärung in dieser Angelegenheit zu sorgen".

Der ÖVP-Mandatar Schrott hatte während seines Vorzugsstimmenwahlkampfs mit einer Gewinnspielserie geworben. Bei diesem den Hauptpreis "gewonnen" haben soll eine auf Schrotts Facebook-Seite eingesetzte "falsche" Gewinnerin.

Im Glückstopf hätten sich laut Bericht von "Dietiwag.org" 23 Loszettel befunden, auf denen überall "Karin K." gestanden habe. Schließlich wurde ein Los für die Eruierung des Hauptpreisgewinners gezogen. "Karin K." stehe für Karin Kirchmair, Schrotts "Fake-Profil" auf Facebook. Als ihr fiktiver Wohnort sei Innsbruck angegeben worden, die Teilnahme am Gewinnspiel aber auf Personen mit Meldeanschrift im Tiroler Oberland, Schrotts Wahlkreis, beschränkt gewesen. Die "Glücksfee" der Ziehung sei zudem nicht - wie vom ÖVP-Politiker angegeben - aus dessen Wahlkreis gekommen, sondern es habe sich um eine in Innsbruck wohnhafte Mitarbeiterin von Schrotts dortiger Wahlkampfagentur "Smart Ventures" gehandelt.

Schrott, auch Obmann der Jungen ÖVP in Tirol, meinte zunächst, dass in der Agentur offenbar ein Fehler passiert sei. Er habe damit nichts zu tun, da sich die Wahlkampfagentur - und nicht er - federführend um derartige Aktivitäten gekümmert habe. "Ich habe bereits mit dem Geschäftsführer gesprochen. Er will rechtliche Schritte prüfen lassen", sagte der Nationalratsabgeordnete in einer ersten Reaktion. Die betreffende Mitarbeiterin, die als "Glücksfee" agierte, sei zudem nicht mehr bei der Agentur beschäftigt. Schrott selbst war nach eigenen Angaben bis Ende Oktober 2017 bei der Wahlkampfagentur "Smart Ventures" angestellt.

Die "Glücksfee" sei wenig später als "Karin Kirchmair" bei einem laut "Dietiwag.org" ebenfalls fingierten Gewinnspiel für die "Zillertaler Trachtenwelt" aufgetreten und gewann dort ein iPhone im Wert von knapp 1000 Euro. "Smart Ventures" betreut auch die "Zillertaler Trachtenwelt".

Nicht der erste Wirbel um Schrott

Der 30-jährige Schrott, der wie Kurz aus der JVP kommt, hatte einen Vorzugsstimmenwahlkampf geführt und im Oberland seine Parteikollegin und damalige Abgeordnete Elisabeth Pfurtscheller hinter sich gelassen. Pfurtscheller kam als Spitzenkandidatin im Oberland auf 4365 Vorzugsstimmen und musste damit Schrott (7093 Vorzugsstimmen) weichen, der erstmals in den Nationalrat einzog.

Die Agentur ihrerseits habe Anwälte eingeschaltet, um den "Schuldigen" zu finden, hieß es am Dienstag.

Schrott war schon zuvor aufgefallen: Er hatte Briefe mit einer fingierten Unterschrift von ÖVP-Chef Kurz ausgeschickt; auch hätten sich politische Mitbewerber plötzlich unter seinen Facebook-Fans gefunden.

Neos fordern Rücktritt

Die Tiroler NEOS forderten am Dienstag Schrotts Rücktritt: "Aktionen wie diese zerstören das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik", kritisierte Johannes Tilg, Landesvorsitzender der Tiroler Junos, in einer Aussendung. Die ÖVP müsse die Causa eingehend prüfen und Konsequenzen ziehen, so Tilg. Ein gewählter Volksvertreter, der seine Wähler "arglistig" täusche, dürfe diese nicht im Parlament vertreten.

>> zum Bericht auf "Dietiwag.org"

(Red./APA)