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Fake-Gewinnspiel nicht erster Wirbel um ÖVP-Mandatar Schrott

Screenshot Facebook(C) Facebook
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Neben der offenkundigen Manipulation eines Wahlwerbegewinnspiels sorgte auch schon ein fingierter Brief Schrotts mit der Unterschrift von ÖVP-Chef Kurz für Aufsehen.

Wien. Gegen den Tiroler ÖVP-Abgeordnete Dominik Schrott gibt es schwere Manipulationsvorwürfe: Schrott hat im Vorzugsstimmenwahlkampf für die Nationalratswahl 2018 ein Gewinnspiel veranstaltet. Der Hauptpreis, eine Jahreskarte für die Tiroler Skigebiete, soll aber gar nicht ordnungsgemäß verlost worden sein. Offiziell bekam ihn ein Fake-Profil, das von der Agentur Smart Ventures gestaltet wurde, die für Schrott den Wahlkampf organisierte, und bei der er auch selbst angestellt war.

Aufgedeckt hat die Affäre der Tiroler Blogger Markus Wilhelm. Auf seiner Homepage „dietiwag.at“ zeigt er die Verlosung, bei der Glücksfee Sarah Z. – eine Mitarbeiterin der Werbeagentur – eine Karin K. als Gewinnerin des Hauptpreises ermittelt. Dabei handelt es sich laut Wilhelm um Karin Kirchmair, ein von der Agentur eingesetztes Fake-Profil. Dass es sich dabei offensichtlich um eine Manipulation handelt, zeigt ein weiteres Gewinnspiel, das ein – ebenfalls von der Agentur betreutes – Trachtenmodengeschäft veranstaltet hat: Auch dort hat „Karin Kirchmair“ den Hauptpreis, ein I-Phone, gewonnen. Bei der Preisverleihung tritt Sarah Z. als Karin Kirchmair auf und nimmt freudestrahlend das Handy entgegen. Dieses musste sie laut Wilhelm sofort wieder abgeben, um für ihre schauspielerische Leistung mit einem 50-Euro-Gutschein entlohnt zu werden.

 

Ein Fehler der Agentur?

Schrott dementierte die Vorwürfe nicht, sondern machte die Agentur dafür verantwortlich: Diese habe sich federführend um das Gewinnspiel gekümmert. Schrott ist allerdings eng mit der Agentur verbunden: Bis zur Wahl war der Jungpolitiker selbst Mitarbeiter von Smart Ventures, danach machte den Geschäftsführer zu seinem parlamentarischen Mitarbeiter. Dienstag Nachmittag zog der Nationalratsabgeordnete per Aussendung die Notbremse: Er werde jegliche Zusammenarbeit mit der Agentur und deren Mitarbeitern sowie mit seinem parlamentarischen Mitarbeiter sofort beenden. Zudem werde er, um alle weiteren Vorwürfe zu entkräften, 1000 Euro als Ersatz für den Hauptpreis an das SOS-Kinderdorf spenden.

Schrott ist nicht das erste Mal mit Manipulationsvorwürfen konfrontiert. Im Nationalratswahlkampf hat er mit einem Unterstützerbrief von Parteichef Sebastian Kurz geworben, der darin angeblich dazu aufruft, dem Chef der Jungen ÖVP in Tirol eine Vorzugsstimme zu geben. Doch die Bundes-ÖVP dementierte die Authentizität des mit Kurz-Unterschrift versehenen Briefes. Da sei ein Kommunikationsfehler passiert, der Parteichef wolle keinen Kandidaten bevorzugen, hieß es. (maf)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2018)