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Wehe, es funktioniert!

Clemens Fabry

Sprechblase Nr. 253. Warum „künstliche Intelligenz“ aufregt.

Manche Menschen haben mit Kunst ein Problem: Zu progressiv ist sie ihnen, oder zu seicht. Manche mögen das Künstliche nicht, weil es nicht echt ist: das Licht, die Heiterkeit, die Aufregung. Aufregend finden hingegen manche die – Achtung Sprechblase – künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, AI). AI hier, AI da, alles AI.

Dass man zwischen ANI und AGI differenzieren könnte, ist dabei egal. Das N steht für Narrow: einzelne Fähigkeiten der Rechner wie Schach spielen, navigieren oder Sprache erkennen. Das G steht für General: die Verknüpfung einzelner ANI zur „denkenden“ Maschine.

Das ist zu kompliziert, lieber nur von AI reden. Und dabei immer von der Zukunft sprechen. Dabei sind wir längt von ANI umgeben.
Wie sagte Computerpionier John McCarthy: „Sobald etwas funktioniert, nennt es keiner mehr AI.“ Sei es ein Trost – oder nicht: Derzeit wird vieles AI genannt.


In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

Die gesammelten Kolumnen finden Sie hier.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2018)