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Die zwei Leben des Markus Friesacher

Porträt. Eben kaufte der Salzburger Unternehmer die ehrwürdige Gmundner Keramik in seine MF-Gruppe ein. Gleichzeitig ist er Senior Vice President bei der OMV. Wie geht das zusammen?

Markus Friesachers (43) Leben als Angestellter ist geheimnisumwittert. Er selbst sagt, „zu 100 Prozent“ Senior Vice President im OMV-Konzern unter CEO Rainer Seele zu sein. Wofür ist er zuständig? Darüber könne er nicht reden.

Gegencheck in der OMV Presseabteilung. Was genau macht Markus Friesacher? Das ließe sich schwer beschreiben, sagt der Pressesprecher. Er bestätigt den Jobtitel. Fein, und wofür ist Friesacher zuständig? Für das CEO Office, sagt der Pressesprecher. Eine Art Büroleiter? Nein, korrigiert der Pressesprecher, vergleichbar mit dem Kabinettschef in einem Ministerium. Was genau macht er? Wesentliche Geschäftstätigkeiten vorbereiten, kommt es zögernd. Noch zögernder: Akquisitionen. Lobbying. Jedes Wort ist hart erkämpft.

Doch stimmig ist es. Friesacher verfügt über ein beachtliches Netzwerk. Fast beiläufig flicht er große Namen ins Gespräch ein. Rainer Seele, Niki Lauda, Gerhard Berger, René Benko. Man nennt einen Wirtschaftsbereich, und er kennt die wichtigen Leute dort.

Begnadeter Netzwerker

Sein zweites Leben als Unternehmer ist nicht weniger schillernd. Im Anifer Nobelhotel seiner Eltern ging Rennfahrerlegende Niki Lauda ein und aus. Der junge Friesacher nahm ihn sich zum Vorbild. Rennfahrer wollte er werden! Nach engagierter, aber mäßig erfolgreicher Rennkarriere akzeptierte er in den späten 1990er-Jahren seine sportlichen Grenzen und beschloss umzusatteln. Der Zufall (oder sein schon damals gutes Kontaktnetz) kam ihm zu Hilfe. Rennfahrerkollege Gerhard Berger riet ihm, dessen eigenes florierendes Nebengeschäft mit Lkw-Tankstellen in Tirol für Salzburg abzukupfern. Gesagt, getan.

Im Jahr 2000 nahm Friesachers Unternehmerkarriere Fahrt auf. Den Lkw-Tankstellen in den Autohöfen folgten 2009 Pkw-Diskonttankstellen auf Hofer-Parkplätzen, Letztere unter Beteiligung von Signa-Chef René Benko. Drei lukrative ausländische Kaufangebote schlug der bekennende Patriot Friesacher aus, bis 2015 jenes von OMV-Boss Rainer Seele persönlich eintrudelte. An ihn verkaufte er seine 72 Diskonttankstellen. Sich selbst ließ er quasi gleich mitübernehmen.

Parallel wuchs seine Unternehmensgruppe. Wie viele Firmen er hat, weiß er selbst nicht genau. Manche gehörten ihm, sagt er, manche seien nur Beteiligungen. Geführt werde die Gruppe von zwei Geschäftsführern, er habe keine Arbeit damit.

Das Firmenbuch listet Unternehmen unterschiedlichster Branchen – die Lkw-Tankstellen, Immobilien, eine Fleischverarbeitung und als Neuzugang die Gmundner Keramik. Die kaufte er seinem „guten Freund Max“ ab, mit dem Ziel, sie in Österreich zu halten. „Max“ ist Maximilian Graf von Moy, mit dem Friesacher zufällig schon die Schulbank drückte. Im Gespräch erwähnt er auch Versicherungen und Softwarefirmen, die ihm gehörten. Im Aufsichtsrat der Hypo Salzburg sitzt er auch.

Woher nahm der Absolvent von Landwirtschaftsschule und Hotelakademie sein Wirtschaftswissen und die (Selbst-)Sicherheit, solch eine Gruppe hochziehen zu können? Man müsse an sich glauben, antwortet er vage. Er komme schließlich aus einer Unternehmerfamilie, „da lernt man, was leistbar ist und was rechenbar. Und dass 1+1 immer 2 ist.“

Seine Anliegen seien bodenständig: den Standort sichern, Arbeitsplätze schaffen, Arbeitsplätze halten. „Es gibt genug ausländische Investoren, die kommen, Betriebe kaufen und nach ein paar Jahren wieder zusperren. Das will ich nicht.“

Jugend ohne Biss

Aus ihm spreche der Geist der Nachkriegszeit, auch wenn er da noch nicht geboren war: das Land aufbauen, von früh bis spät arbeiten, sparen, etwas bewegen, etwas Bleibendes schaffen. Doch leider, setzt der fünffache Vater fort, die jungen Generationen dächten nicht mehr so. Er vermisse den Biss, das Anpacken. Die Motivation. Und am Ende des Gespräches lässt der bislang so sachliche Unternehmer endlich so etwas wie Leidenschaft durchblicken. In seinem Appell an den Nachwuchs: „Reißt euch zusammen. Arbeitet. Dann wird das auch etwas.“

ZUR PERSON

Markus Friesacher (43), nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Formel-1-Piloten Patrick Friesacher, fuhr ebenfalls Autorennen, ehe er Ende der 1990er-Jahre als Unternehmer Karriere zu machen begann. Neben seiner Tätigkeit für die OMV baut Friesacher eine eigene Unternehmensgruppe auf, die in unterschiedlichsten Branchen aktiv ist: Lkw-Tankstellen, Immobilien, Fleischverarbeitung. Nun zählt auch Gmundner Keramik dazu, die er von Maximilian Graf von Moy übernahm.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2018)