Die EU-Kommission will das Hinauftreiben von Zinsen für verschuldete Mitgliedsländer unterbinden.
BRÜSSEL (wb). Für den griechischen Premier Georgios Papandreou ist es ein Faktum, für EZB-Chef Jean-Claude Trichet wahrscheinlich, dass Spekulanten die Zinsen für Anleihen des hochverschuldeten Griechenland in die Höhe getrieben haben. Die EU-Kommission will nun jedenfalls neue Regeln erarbeiten, um künftig den Handel mit sogenannten Kreditausfallsversicherungen (CDS) einzudämmen. Damit soll verhindert werden, dass die finanziellen Schwierigkeiten eines Landes durch Spekulanten verstärkt werden.
CDS sind Versicherungen, mit denen sich Gläubiger gegen den Zahlungsausfall ihrer Schuldner absichern können. Dies ist ein normaler Vorgang, den es auch bei Staatsanleihen gibt. Im Fall von Griechenland wurden diese CDS aber offenbar selbst zum Objekt von Spekulationen. Investoren gelang es CDS zu erwerben, um sie innerhalb von Wochen mit 100-prozentigem Gewinn wieder zu verkaufen. Der höhere Preis, den sie für Kreditausfallsversicherungen erzielen konnten, führte umgehend dazu, dass die abgesicherten Anleihen selbst unter Druck gerieten. Neue Anleihen konnten nur mit höheren Zinsen am Markt platziert werden. Diese Spirale kann sich im Extremfall bis zum Bankrott eines Staates drehen. Bis Sommer will die EU-Kommission eine Neuregelung vorschlagen. Sie soll darauf abzielen, dass Investoren nur dann CDS erwerben dürfen, wenn sie zuvor auch abzusichernde Anleihen erworben haben. Um dies zu kontrollieren, soll der Handel mit CDS transparent werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2010)