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Bilanz der Salzburger Festspiele: Gelöste Probleme und gute Auslastung

Einer der größten Erfolge dieser Saison: Die Litauerin Asmik Grigorian war im Vorfeld als Sensation in der Titelpartie der "Salome" gehandelt worden. Und sie löste das Versprechen ein.
Einer der größten Erfolge dieser Saison: Die Litauerin Asmik Grigorian war im Vorfeld als Sensation in der Titelpartie der "Salome" gehandelt worden. Und sie löste das Versprechen ein.imago/Rudolf Gigler
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Markus Hinterhäusers zweiter Festspielsommer endet. Es gab einige Änderungen, Jedermanns Ausfall, einen großen Erfolg für Asmik Grigorian und Einnahmen von 30 Mio. Euro.

"Wir haben einen ziemlich gewaltigen Sommer bewältigt", zeigte sich der Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser beim Pressegespräch am Dienstag zufrieden. Neben der Hitze galt es außerdem einen Jedermann-Ersatz zu finden, ein Leck im Festspieldach zu beheben und einen neuen Hauptsponsor zu finden. Trotz aller Herausforderungen sei das Echo auf die Produktionen überragend.

In Zahlen bedeute das eine Platzauslastung von 97 Prozent, wie der Kaufmännische Direktor Lukas Crepaz stolz mitteilte. Mit knapp über 35.000 Besuchern war der "Jedermann" die meistbesuchte Produktion. Auch der Konzertzyklus der Wiener Philharmoniker mit über 21.000 Besuchern lief sehr gut. Bei den Opern teilen sich die "Zauberflöte" und "Pique Dame" mit jeweils um die 13.000 Besucher den ersten Platz. Im diesjährigen Programm sieht Markus Hinterhäuser eine Fortsetzung dessen, was er 2017 begonnen hat.

Keine Wiederaufnahmen, neuer Sponsor

Warum es in diesem Jahr keine Wiederaufnahmen gab? "Die Neuproduktionen sind notwendig. Wir sind erst jetzt auf einem Produktionsniveau, das es möglich macht, an Wiederaufnahmen zu denken", so Hinterhäuser. Änderungen gibt es bei den Sponsoren: Vor ein paar Tagen verkündete Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler die Kühne-Stiftung als neuen Hauptsponsor. Der bisherige Hauptsponsor Nestle übernimmt zukünftig ein Projektsponsoring. Für das Young Conductors Project suche sie derzeit noch einen Sponsor, das Projekt würde als Herzensangelegenheit aber auf jeden Fall weitergeführt.

Philipp Hochmair, flexibel.
Philipp Hochmair, flexibel.APA/BARBARA GINDL

Nervenstärke verlangte Schauspielchefin Bettina Hering der Krankheitsausfall ihres "Jedermanns" Tobias Moretti ab. Für fünf Vorstellungen konnte schließlich Philipp Hochmair einspringen. Ein weiterer Aufreger für das gesamte Team der Festspiele war der Wassereintritt im Großen Festspielhaus. 1,4 Millionen Liter Wasser fielen auf das Dach des Festspielhauses. Das zeige, wie unausweichlich eine Generalsanierung des Festspielhauses sei. Die Sanierungsarbeiten sollen im laufenden Betrieb stattfinden, denn eine Komplettschließung stehe nicht zur Debatte, auch mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2020.

Für diesen erfolgreichen Sommer sei man aber jetzt erst einmal überaus dankbar. Einnahmen von ca. 30 Millionen Euro, 89 Konzerte und 96 Opern- und Theatervorstellungen sprächen für sich. Außerdem gelang es in diesem Jahr, alle Opernproduktionen audiovisuell aufzuzeichnen und damit auch zukünftig einem breiten Publikum zugänglich zu machen, das keine Karten bekommen hat.

DIE LÄNGSTE INSZENIERUNG

Angekündigt waren viereinhalb Stunden und es wurden fünfdreiviertel: Wenn Frank Castorf inszeniert, muss der geneigte Theatergänger Sitzfleisch mitbringen. So auch für die Knut-Hamsun-Adaption "Hunger" auf der Perner-Insel in Hallein. Das hatten schon vor dem Ende viele satt. Zur "Presse"-Kritik >>>

DIE GRÖSSTE ÜBERRASCHUNG

Normalerweise muss der Festspielbesucher nur Angst vor Wasser haben, wenn er eine "Jedermann"-Karte für den Domplatz besitzt. Dass man aber auch im Festspielhaus nicht unbedingt sicher vor liquidem Ungemach ist, zeigte sich heuer beim Konzert von Grigory Sokolov, drang doch bei einem Gewitter Wasser in den Zuschauerraum, während es im benachbarten Haus für Mozart bei der "Italiana in Algeri" ebenfalls zu einem kleinen Wassereinbruch auf der Seitenbühne und einem kurzen Stromausfall kam.

DIE BEEINDRUCKENDSTE AUFSTEIGERIN

Das war ein Aufstieg mit Ansage: Die Litauerin Asmik Grigorian, schon im Vorjahr als Marie im "Wozzeck" bei den Festspielen gefeiert, war im Vorfeld als Sensation in der Titelpartie der "Salome" gehandelt worden. Und die 37-Jährige löste das Versprechen ein, indem sie eine mustergültige Interpretation der Strauss-Rolle in der Regie von Romeo Castellucci lieferte. "Generationen von Dirigenten haben von einer Salome dieses vokalen Zuschnitts geträumt", schrieb "Presse-Kritiker Wilhelm Sinkovicz.

DER LÄNGSTE APPLAUS

Auch wenn Hans Neuenfels' Inszenierung von Peter Tschaikowskys "Pique Dame" nicht das herausragende Opernereignis der Festspiele 2018 war, konnte sich die Inszenierung beim Applaus mit 13,05 Minuten doch an die Spitze der Premieren setzen. Die Choroper hat nun einmal viele Rollen, die mit Ovationen einzeln bedacht werden müssen. So feierte Neuenfels 17 Jahre nach seiner ausgebuhten "Fledermaus" 2001 eine versöhnliche Rückkehr nach Salzburg.

DIE GRÖSSTE TECHNIKSCHLACHT

Der größte Aufwand galt bei den heurigen Festspielen dem ältesten Drama der Menschheit: Regisseur Ulrich Rasche fuhr für Aischylos' "Die Perser" seine Walzen, Laufbänder und Drehscheiben im Landestheater auf. Die Zuschauer, die trotz der Technikschlacht noch Platz im Gebäude fanden, waren begeistert.

 

"Die Perser"
"Die Perser"APA/BARBARA GINDL

(APA)