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„Große Verbitterung in Ukraine über Österreich“

Robert Lugar.
Robert Lugar.(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Parlamentarier sollen in Kiew Wogen nach Einladung Putins zu Heirat der Außenministerin glätten.

Moskau/Kiew. Ob ein Parlamentarierbesuch in der Ukraine die Stimmung zwischen Wien und Kiew verbessern kann? Wie die APA berichtet hat, wird am 6. September eine Gruppe österreichischer Abgeordneter aus ÖVP, SPÖ, FPÖ und Liste Pilz nach Kiew reisen, um bilaterale Wogen zu glätten. Angeführt wird die Gruppe vom Chef der parlamentarischen Freundschaftsgruppe, Robert Lugar. Dass Lugar Abgeordneter der FPÖ ist, macht die Vermittlungsmission heikel – in Kiew hält sich dem Vernehmen nach die Begeisterung über die Visite in Grenzen.

Ukrainische Politiker hatten deutlich die Einladung des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, zur Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl kritisiert. Österreich habe keine Glaubwürdigkeit mehr als neutraler Vermittler, lautete der Tenor. Insbesondere der Kniefall Kneissls vor Putin sorgte für Spott. In sozialen Medien waren Collagen im Umlauf, die Kneissl beim Tanz mit einem zu Adolf Hitler verunstalteten Putin zeigten. Der ukrainische Abgeordnete Wolodymyr Arjew, der der Fraktion von Präsident Petro Poroschenko angehört, hat auf Facebook von „dirty dancing“ gesprochen. Gegenüber der APA kündigte er an, den österreichischen Kollegen in Kiew bezüglich der Hochzeitsdiplomatie sagen zu wollen, „was wir darüber denken“.

 

„Öl ist dicker als Blut“

Hinter der in den sozialen Medien dominierenden Ironie ortet der in Kiew lebende Ukraine-Experte Andreas Umland im Gespräch mit der „Presse“ eine „große Verbitterung“ über Österreich. Der Kreml-Chef werde für den Krieg im Donbass verantwortlich gemacht; er gelte als „Schlächter der Ukrainer“, erklärt Umland. Die Hochzeitseinladung sei der Höhepunkt einer längeren „Enttäuschungsgeschichte“ – angefangen bei der umstrittenen Österreich-Visite Putins im Juni 2014, der Kooperation der FPÖ mit der Kreml-Partei Einiges Russland, dem Lavieren Wiens in der Sanktionenfrage sowie dem offenkundigen Primat von Geschäftsinteressen. „In der Ukraine macht sich der Eindruck breit: Öl ist dicker als Blut“, sagt Umland.

In sozialen Medien sind ukrainische Politiker gemeinhin sehr unbefangen. Spannend wird, wie offen das persönliche Gespräch mit den Kollegen ausfällt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2018)