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Managementwahnsinn - Wahnsinnsmanagement

Brechen Sie den Expertenfluch

(c) Pixabay
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Kolumne "Hirt on Management". Folge 80.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen Fragen von Managern zu herausfordernden Situationen und kritischen Entscheidungen.

Was Sie an der Harvard Business School lernen

Brechen Sie den Expertenfluch und stellen Sie sicher, dass kritisches Wissen in Ihrem Unternehmen wirklich weiter gegeben wird:

Ich habe vor kurzem ein Executive Program an der Harvard Business School (HBS) abgeschlossen und nachdem ich dort extrem viel Spannendes gelernt habe, habe ich gedacht, dass es interessant wäre, die Kernpunkte daraus in einigen meiner nächsten Kolumnen mit Ihnen zu teilen:

Die Experten in Ihrer Organisation verfügen über Schlüsselwissen für Ihren Erfolg, aber leider sind genau diese Experten auch oft extrem schlecht darin, dieses Wissen an Neulinge weiterzugeben.

Der Expertenfluch

Dieses Phänomen wird der „Expertenfluch“ genannt und wurde von Ting Zhang von der Harvard Business School erforscht.

Frau  Zhang hat herausgefunden, dass Experten so tief in ihrer Expertise „drinnen“ sind, dass sie vergessen haben, wie es sich anfühlt, ein Neuling zu sein.

Die Experten können sich nämlich nicht mehr daran erinnern, wie wenig sie wussten, als sie begonnen haben, sich mit dem neuen Wissensgebiet zu beschäftigen und wie unangenehm sich ihre damalige Inkompetenz anfühlte.

Diese Erinnerungslücke führt zu mangelndem Mitgefühl mit den Neulingen und oft entsprechender Ungeduld und Widerwilligkeit des Experten bei der Weitergabe des Wissens.

Zwei Ansätze können helfen, den Expertenfluch zu verringern.

Das Lernprotokoll

Erstens, können Experten sich ein neues, berufliches Kompetenzfeld erschließen und dabei schriftlich dokumentieren, welche überraschende Erfahrungen, unvorhergesehenen Herausforderungen und hilfreiche Interaktionen mit anderen, sie dabei hatten.

Dieses Protokoll ihrer Lernerfahrung kann den Experten helfen zu verstehen, und sich auch emotional zu erschließen und zu erinnern, was für ein nicht-linearer und oft auch frustrierender Prozess, lernen ist und wie wichtig dabei oft, die verständnisvolle Hilfe anderer ist. Mit dieser Einsicht können sie zu wirksameren Lehrern werden.

Der „Upside-Down Guitar Effect“

Zweitens, können Experten den „Upside-Down Guitar Effect“ nutzen, um bessere Lehrer zu werden.

Hier geht es darum, eine manuelle Tätigkeit, in der man bereits ein gewisses Level von Expertise erlangt hat, mit der nicht-dominanten Hand auszuüben.

Also zum Beispiel, wenn die rechte Hand die dominante Hand ist, Gitarre, Tennis oder Golf mit der linken Hand als Haupthand zu spielen, oder besser, zu probieren.

Der Effekt, ich nenne ihn „konstruktive Demütigung“, wird sein, dass man plötzlich erlebt, wie es ist, wieder ein Anfänger zu sein und dadurch, vielleicht auch wieder, mehr Empathie für Anfänger in anderen Bereichen entwickelt.  

Das Wichtigste in Kürze

Helfen Sie Ihren Experten durch das Lernprotokoll und die konstruktive Demütigung des „Upside-Down Guitar Effects“ zu besseren Lehrern zu werden und den Expertenfluch zu überwinden.

 In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 13. September 2018 zur Frage: Was ich in Alpbach über eine diverse Entscheidungskultur gelernt habe.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Dr. Michael Hirt, geboren 1965 in Wien, ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu schnellen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, Kanada (McGill) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.