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Thilo Sarrazin veröffentlicht neues Buch über den Islam

Die Presse (Clemens Fabry)
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"Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht" - schon der Titel weist auf eine Verschärfung hin.

Der umstrittene deutsche Publizist und SPD-Politiker Thilo Sarrazin stellt am Donnerstag in Deutschland ein islamkritisches Buch vor, mit dem er schon vorab für heftige Kontroversen sorgt. Berliner Grüne bezichtigten den früheren Finanzsenator der deutschen Hauptstadt am Mittwoch, er liefere "einen Brandbeschleuniger für Hass und Gewalt".

Über den Inhalt des Buches mit dem Titel "Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht" ist außer den Verlagsankündigungen bisher wenig bekannt. Übrigens war das Buch schon im Entstehen ein Aufreger: Sarrazins bisheriger Verlag, die Random-House-Tochter DVA, hat sich bis vor Gericht mit dem Autor überworfen, er wollte das Buch nicht herausbringen.

Im Gespräch mit der "Zeit" sagte der Geschäftsführer, welche Tendenz ihn an dem Buch gestört hat: Sarrazin versuche "eine Art Kernmentalität des Muslims zu rekonstruieren und ihre Wirkung auf muslimische Kulturräume und auf Zuwanderungsprobleme zu ermessen". Das setze den Islam mit einer "Geißel der Menschheit" gleich. Die Konsequenz sei natürlich, man dürfe keine Muslime mehr ins Land lassen. Für Sarrazin arbeitet der Verlag an der Legende, dass sein Buch "Qualitätsmängel" habe, aber "alle Zitate in meinem Buch sind belegt, die Quellen sind renommiert."

Seit acht Jahren in der Diskussion - und Kritik

Mit seinem Bestseller "Deutschland schafft sich ab" und umstrittenen Thesen zur Einwanderung und Vererbung von Intelligenz hatte Sarrazin im August 2010 Entrüstungsstürme ausgelöst, gleichwohl mit gut 1,5 Millionen Exemplaren einen außerordentlichen Verkaufserfolg erzielt. Versuche, ihn aus der SPD auszuschließen, scheiterten bisher. Die SPD will es aber offenbar noch einmal probieren.

In der Illustrierten "Stern" warnte Sarrazin nun davor, dass Muslime in zwei oder drei Generationen die Mehrheit in Deutschland stellen würden. "Sie können dann die Gesetze ändern, Deutschland und Europa so gestalten, wie sie es haben wollen", sagt er in einem Streitgespräch mit dem Hamburger Magazin.

Sarrazin forderte, den weiteren Zuzug von Migranten unbedingt zu verhindern. "Die immer größer werdenden islamischen Communities beanspruchen in physischer und geistiger Hinsicht mehr und mehr öffentlichen Raum." Trotz dieser Rhetorik wies er im "Stern" den Vorwurf empört zurück, damit an die "Volk-ohne-Raum"-Propaganda der Nazis zu erinnern. Auf den Einwand, er sei ein Hassprediger, antwortete er: "Das ist eine haltlose Beleidigung, mit der Sie das Wirken muslimischer Hassprediger verharmlosen. Ich predige keinen Hass. Ich habe in meinem Buch abgewogen formuliert."

Der Berliner Grünen-Landesvorsitzende Werner Graf kritisierte Sarrazin hart. "Für Thilo Sarrazin ist der Islam an allem schuld. Das ist nicht nur diskriminierend, sondern völlig ignorant", sagte er.

Sarrazin (73) war von 2002 bis 2009 Berliner Finanzsenator und machte sich mit einer drastischen Sparpolitik und der Sanierung des defizitären Landeshaushaltes einen Namen. Von Frühjahr 2009 bis Herbst 2010 war er Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank.

 

(APA/dpa/red.)