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US Open extrem: In der Hitze des Gefechts

Andy Murray kühlt sich mit Eis im Handtuch.
Andy Murray kühlt sich mit Eis im Handtuch.(c) imago/UPI Photo (JOHN ANGELILLO)
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Herzrasen, Schwindelgefühl, Krämpfe: New York treibt die Spieler bei 35 Grad an ihre Grenzen.

New York/Wien. Für gewöhnlich gelten die Australian Open in Melbourne während des australischen Hochsommers als das härteste aller vier Grand-Slam-Turniere, dieses Jahr aber reklamieren tatsächlich die US Open und New York diesen Titel für sich. Im Stadtteil Queens, genauer gesagt in Flushing Meadows, machen Tennisprofis aus aller Welt in diesen Tagen grenzwertige Erfahrungen. Die mit Eis gefüllten Handtücher im Nacken sind ein unverzichtbares Gut, bei jeder Pause kommen sie zum Einsatz.

35 Grad zeigte das Thermometer in den ersten Turniertagen, heute und am Wochenende (rund 25 Grad) soll es etwas abkühlen. Eine kurze Erholungspause, denn schon ab Montag könnten wieder Spitzen bis zu 36 Grad erreicht werden. Weil es bei den Grand-Slam-Turnieren keine einheitliche Hitzeregel gibt, führten die Veranstalter der US Open kurzerhand eine solche ein. Bei den Damen wird zwischen dem zweiten und dritten Satz eine zehnminütige Pause eingelegt, bei den Herren zwischen dem dritten und vierten Satz.

 

Eisbad – oder einfach chillen

Einige Spieler nutzen diese Gelegenheit zum Sprung ins Eisbad wie etwa Novak Djoković, Österreichs Dominic Thiem bevorzugte es, in einem gekühlten Raum „zu chillen“. Der 24-Jährige, der am Mittwoch durch ein 6:7 (5), 6:3, 5:7, 6:4, 6:1 gegen den US-Amerikaner Steven Johnson die dritte Runde erreichte, ist generell kein Freund des Eisbades. „Nein, das ist schockierend für mich. Ich weiß auch nicht, ob das gesundheitlich so ideal ist, wenn man komplett aufgehitzt ins Eisbad geht.“

Dass den Sportlern unter diesen extremen Bedingungen während eines Matches eine solche Pause zugestanden wird, sei richtig und notwendig, so der allgemeine Tenor. Kalt lässt die Hitze ohnehin niemanden. „Es ist nicht gesund bei solchen Bedingungen“, klagte Nick Kyrgios, der als Australier so einiges gewohnt ist. Auf derartige Umstände könne man sich dennoch „nicht vorbereiten, es ist sehr selten so im Training“. Rafael Nadal fragte während des Matches nach einem Ventilator, Roger Federer gab zu bedenken, dass es „besonders schwer für uns Europäer“ sei. „Wir bekommen nicht diese Art von Feuchtigkeit.“ Die Reaktion des Körpers sei deutlich, so Federer. „Der Puls kommt nie runter, man schwitzt so viel und ist froh, wenn man einen Tag wie diesen übersteht.“

In den ersten vier Turniertagen gelang es zehn Herren (und nur einer Dame) nicht, ihre Matches zu beenden, meist aufgrund von Problemen mit der Hitze. Die Liechtensteinerin Kathinka von Deichmann konnte sich unmittelbar vor ihrer Aufgabe kaum mehr auf den Beinen halten, weder Tabletten halfen noch die Physiotherapeutin.

Wegen Krämpfen in den Beinen beendete sie ihr Match beim Stand von 2:5 im dritten Satz vorzeitig. „Es war unmöglich, weiterzuspielen. Die Bedingungen waren brutal.“ Beim 18-jährigen Kanadier Felix Auger-Aliassime streikte im dritten Satz der Körper, er verließ mit Herzrasen und Schwindelgefühl unter Tränen den Platz.

 

Thiems Fitnessvorteil

Dominic Thiem, und das könnte speziell dieser Tage ein gewaltiger Vorteil sein, zählt zu den fittesten Spielern auf der Tour. Der 24-Jährige bestand den 3:34 Stunden andauernden Härtetest gegen Johnson und sagte anschließend: „Die Fitness passt. Ich weiß, dass ich meinem Körper wieder vertrauen kann.“ Auch Coach Günter Bresnik war voll des Lobes: „Die gehen alle wie die Ratten ein, und er rennt.“

Heute trifft Thiem im Kampf um das Achtelfinale auf Lokalmatador Taylor Fritz. Das bislang einzige Duell entschied Thiem bei den letztjährigen US Open in vier knappen Sätzen für sich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2018)