SPÖ: "Kein Fachkräftemangel, nur mangelhafte Bezahlung"

Diskussion um Fachkräftemangel geht weiter.(c) Clemens Fabry

Es gebe genügend Lehrstellensuchende, sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Lercher. Stimmt nicht, entgegnet die Wirtschaftskammer. Für Juni 2018 ergebe sich eine Lücke von 2520.

Im Gegensatz zur Wirtschaftskammer (WKÖ) sieht die SPÖ in Österreich keinen Fachkräftemangel, sondern in manchen Branchen eine mangelhafte Bezahlung. "Mit höherer Bezahlung wäre der Mangel sofort behoben", so SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher in Reaktion auf eine neue Studie der WKÖ, die österreichweit einen Fachkräftemangel von 162.000 errechnet hat.

Dem WKÖ-Präsidenten Harald Mahrer seien Österreichs arbeitslose Jugendliche offen völlig egal, kritisiert Lercher in einer Presseaussendung am Freitag. Mahrer und Bundeskanzler Sebastian Kurz (beide ÖVP) seien offenbar alle Mittel recht, um in Österreich einen Billiglohnmarkt zu schaffen und so die Löhne zu drücken. Die Wirtschaft habe zu lange zu wenig getan, um Lehrberufe auch in den Branchen, die jetzt einen Mangel beklagen, attraktiv zu machen.

"Dieser Mangel ist hausgemacht", so Lercher. Mit höheren Löhnen wäre der Mangel sofort behoben. Mahrer gehe es gar nicht um einen angeblichen Fachkräftemangel, sondern ausschließlich darum, nun billige Arbeitskräfte ins Land zu holen.

Streit um Anzahl von Lehrstellensuchenden

"Es gibt genug Lehrstellensuchende in Österreich", so Lercher. Laut den Aufzeichnungen des Arbeitsmarktservice (AMS) gebe es 3.078 mehr Lehrstellensuchende als Lehrstellen. Außerdem stünden den 162.000 Fachkräften, die laut Mahrer fehlten, 184.696 arbeitslose Fachkräfte gegenüber.

Laut WKÖ-Abteilungsleiter Martin Gleitsmann ist die von Lercher genannte Lehrstellenlücke auf eine statistische Berechnungsmethode zurückzuführen, bei der nur die "sofort verfügbaren offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden" berücksichtigt werden. Würde man auch die "nicht sofort verfügbaren" Lehrstellen in die Berechnung miteinbeziehen, würde sich für Juni 2018 ein Lehrstellenüberhang von 2.520 ergeben. Es stehen 10.025 Lehrstellensuchenden sogar 12.545 offenen Lehrstellen gegenüber.

"Wenn wir Fachkräfte wollen, dann müssen wir Arbeitslose beschäftigen und ausbilden", fordert Lercher. Die Regierung müsse Geld in die Hand nehmen, um in Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme zu investieren. "Völlig unsinnig" ist laut Lercher auch der Wunsch Mahrers, die Mangelberufliste auszuweiten und möglichst rasch Lehrlinge aus Drittstaaten nach Österreich zu holen. "Das wird das Lohnniveau in Österreich in diesen Branchen noch weiter nach unten drücken", warnt Lercher, und es werde dafür sorgen, dass es in Österreich weiter keine Vollbeschäftigung gebe.

 

(APA)

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