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Filmtipps

Fünf Schulfilme zum Streamen: Lümmel, Pauker und Lernneurosen auf Netflix, Amazon & Co.

Der blutjunge Sean Penn in der Teenie-Dramödie "Ich glaub', ich steh' im Wald".Universal Pictures

Zum Schulbeginn lohnt sich ein Blick aufs Klassenzimmer-Kino mit seinen lustigen Streichen, spinnerten Studienräten, kessen Fräuleins und einer winzigen Spezies, die den gesamten Lehrkörper in Besitz nimmt.

Ich glaub', ich steh' im Wald

Von Amy Heckerling, 1982
Zu sehen auf Netflix

Die erste Bühne im sogenannten Lebenstheater, wo man eine Rolle spielen musste, war die Schule. Die langen Flure glichen einem Laufsteg. Der Klassenraum einem Zuschauersaal. Die Tafel war das Proszenium. Zugleich generierte sie automatisch Rollenbilder, insofern sie ständige Beobachtung, Musterung und Beurteilung durch andere mit einschloss. In Amy Heckerlings Teenager-Dramödie geben ein Schüchtling und sein cooler Kumpel, eine Schulhofschönheit und ihre freizügige beste Freundin, ein frustrierter Teilzeit-Hackler und ein surfbegeisterter Kiffer (blutjung: Sean Penn!) das gängige Figurenpersonal ab.

Aber ihre Typenhaftigkeit bleibt so dezent, dass sie nie wie Karikaturen wirken. Nur der Haschischraucher, der immer zu spät zum Unterricht kommt und dadurch alle Blicke auf sich zieht, wirkt überzeichnet, aber dennoch authentisch, weil er sein Klassenclown-Image verinnerlicht zu haben scheint. Den anderen verrutscht hingegen ständig ihr soziales Kostüm. Besonders, wenn sie in amourösen und sexuellen Belangen extrem lässig zu sein versuchen, sich dadurch aber unentwegt in Verlegenheit bringen. Erst durch die Erkenntnis, besser sie selbst zu sein, finden sie letztlich zu sich. Ein zärtlicher, amüsanter, tief berührender Schulfilm!

The Faculty - Trau keinem Lehrer

Von Robert Rodriguez, 1998
Zu sehen auf Amazon

Als Kind fragte man sich oft, ob die Kauzigkeit manch eines Paukers nicht ein Indiz dafür sein könnte, dass es sich in Wirklichkeit um einen Alien handelte. Die Zweifel verringerten sich, wenn man wieder zu lang aufgeblieben war und sich den Horror-Klassiker „Die Körperfresser kommen“ angeschaut hatte, in dem sich unsichtbare Parasiten aus dem All zwecks Welteroberung in die Körper unscheinbarer Normalbürger eingenistet und ihr Bewusstsein gekapert hatten.

In der aberwitzigen Schulfilm-Parodie „The Faculty“ ergreifen winzige amphibische Kreaturen Besitz vom gesamten Lehrkörper – aber die Maturanten bemerken zunächst nichts. Lehrer sind nun mal komisch. Bloß, dass sie plötzlich so viel Wasser saufen und unterschwellig aggressiv sind, ist seltsam – und die Leiche im Kabuff des Lehrerzimmers erst! Nachdem sich eine skeptisch gewordene Schülergruppe zusammengerottet hat, kommt die lebensrettende Erklärung von der Science-Fiction-Expertin. Und man entdeckt, dass sie sich mit Koffein töten lassen. Soviel dazu, dass mit Kaffee bestrittener Hororfilm-Konsum zu später Stunde keine Aufklärungsarbeit leistet.

Die Feuerzangenbowle

Von Helmut Käutner, 1970
Zu sehen auf Amazon und SkyTicket

Die nostalgisch-heitere „Feuerzangenbowle“ entstand 1943 in Berlin. Zu einer Zeit, als über den Städten – welch zynische Ironie – die Bomber kreisten und die „Endlösung“ im vollen Gange war. Helmut Käutner, ein früher Aufarbeiter der finsteren Faschisten-Jahre („Die letzte Brücke“), legte 1970 eine Neuauflage der Geschichte des lausbübischen Schriftstellers vor, der seine Schulzeit an einem preußischen Kleinstadtgymnasium nachholt. Sie wirkte im Humor ungelenk. Hölzern wie eine harte Schulbank gar. Die Klassenzimmer sind karg und verstaubt. Weil der Film durch seine altmodisch-preußische Steifheit aber wie eine heimliche Kritik am Original anmutet, zu dem mehrere Generationen schuldvergessen mitschunkelten, ist er sehr interessant.

Immer Ärger mit den Paukern

Von Harald Vock, 1968
Zu sehen auf Flimmit

Die Lümmel- und Paukerfilme waren in den 60ern Publikumsmagneten. Dieser lockte vier Millionen Zuschauer an. Roy Black spielt einen Studenten, der von einem Freund überredet wird, sich am Internat für ihn auszugeben. Mit den anderen aus der Klasse heckt er Streiche gegen den gymnastikbesessenen Direx und den spinnerten Studienrat aus und bezirzt dessen kesse Freundin. Der Humor ist schön schalkhaft. Die Dialoge voll drolliger Jugendsprache von damals.

Berg Fidel - Eine Schule für alle

Von Hella Wenders, 2011
Zu sehen auf Flimmit

David, Jakob, Lucas und Anita besuchen eine Schule, in der Klassen altersmäßig gemischt sind und „normale“ mit „Sonderschülern“ unterrichtet werden. Die vier sind Charlie Brown, Schroeder, Linus und Lucy aus den „Peanuts“ nicht unähnlich. Wie im Comic legt Hella Wenders in ihrer Doku den Fokus auf die Kinder, Erwachsene kommen bloß am Rande vor. Der Effekt ist derselbe: Die vier wirken wie kleine, kluge Erwachsene. „Wo endet der Weltraum?“, fragt David, während Lucas über Gerechtigkeit nachdenkt. Ihr Lehrer hat elaborierter geklungen, aber dieselben Fragen aufgeworfen.

 

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