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Unübersetzbare Wörter, die im Deutschen fehlen

Laub, Herbst
Die Franzosen haben ein Wort für die Farbe von verblasstem Laub: „feuille-morte“.Clemens Fabry
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Wer sich mit den Eigenheiten von Sprachen beschäftigt, erfährt so Manches über die Menschen, die sie sprechen.

In Japan gibt es allen Ernstes ein Wort dafür, ein Buch zu kaufen und nicht zu lesen: „tsundoku“. Muss einem erst einmal einfallen. Von allen unübersetzbaren Wörtern – also Wörtern, die es nur in einer Sprache gibt – ist „tsundoku“ das vielleicht seltsamste. Übertroffen höchstens vom finnischen Ausdruck „kalsarikännit“ für das Gefühl, sich zu Hause in der Unterhose zu betrinken und keine Lust zu haben, aus dem Haus zu gehen. Finnen, man muss sie einfach mögen.

Sich dem Lebensgefühl eines Landes über seine Sprache zu nähern ist schon ein lohnendes Unterfangen. Man erfährt dabei so einiges über das Gemüt der Menschen. Spanier beispielsweise sagen „duende“, wenn sie von der Kraft eines Kunstwerks sprechen, die Menschen bewegt, aber nicht so einfach zu erklären ist. Da will man sofort dorthin auswandern, oder? „Litost“ beschreibt auf Tschechisch die gedemütigte Verzweiflung, wenn man von jemandem durch dessen Erfolge an das eigene Versagen im Leben erinnert wird. Was für eine geniale Bezeichnung. Wie kann es sein, dass für dieses Gefühl nur die Tschechen ein Wort haben? Frankreich wiederum kann den Begriff „feuille-morte“ sein Eigen nennen – so wird die Farbe von verblasstem Laub bezeichnet. Vive la France! Man weiß gar nicht, wen man sympathischer finden soll – Franzosen oder Italiener, die ein Wort für eine ältere, einsame Frau haben, die sich um streunende Katzen kümmert: „gattara“.

Für uns Österreicher sollten diese seltenen Ausdrücke aber kein Grund zur Eifersucht sein – können wir doch mit Beispielen wie „Konfliktfähigkeit“, „Engelsgeduld“ und „verschlimmbessern“ aufwarten. Oder „Weltschmerz“ und „Zeitgeist“, die sogar den Einzug in andere Sprachen geschafft haben. Obwohl, vielleicht gibt es doch einen Grund, zumindest ein bisschen eifersüchtig zu sein. Für einen der schönsten Anblicke der Welt, den wahrscheinlich jeder kennt und liebt, haben nur die Türken ein eigenes Wort: „Yakamoz“. Was es bedeutet? Das Spiegeln des Mondes auf dem Meer.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2018)