Warum das heimische Gesundheitssystem stationäre Behandlungen fördert.
Wer in Österreich beispielsweise an einer Bronchitis erkrankt, wird je nach Bundesland bzw. Region ambulant – in einer Spitalsambulanz bzw. bei einem niedergelassenen Arzt – oder stationär behandelt, also für einige Tage in einem Krankenhaus aufgenommen. Der gleiche Patient, die gleiche Erkrankung, die gleichen Beschwerden, aber unterschiedliche Behandlungen, die unterschiedlich zeitaufwendig sind und unterschiedlich viel kosten.
Möglich sind Absurditäten wie diese durch das sogenannte duale Finanzierungssystem in Österreich, das es europaweit sonst nur in Griechenland gibt – in allen anderen Ländern hat man sich schon vor langer Zeit für die eine oder andere Finanzierung entschieden.
Gemeint ist die geteilte Finanzierung durch die Länder (Steuergeld) sowie Kassen (Sozialversicherungsbeiträge). Mit der Folge, dass die Kassen die Patienten am liebsten in den Spitälern sehen, für die im Wesentlichen das Land bezahlt. Die Länder wiederum wollen, dass sie im niedergelassenen Bereich behandelt werden, die von den Kassen finanziert werden.
Aber wieso führt dieses System nun dazu, dass Krankenhausaufenthalte in Österreich um 60 Prozent über dem EU-Schnitt liegen? Weil Leistungen in den Ambulanzen pauschal, in den einzelnen Spitalsabteilungen aber nach einem Punktesystem (LKF) verrechnet werden. Das heißt, dass ein Krankenhaus für jeden Patienten, der seine Ambulanz aufsucht, einen Pauschalbetrag vom Land bekommt – egal, mit welchen Beschwerden er kommt und wie seine Behandlung aussieht.
Verluste in den Ambulanzen
Dieser Betrag pro Patient ist so gering, dass de facto sämtliche Spitäler spätestens nach den ersten vier, fünf Monaten des Jahres ihr Budget für ihre Ambulanzen aufgebraucht haben und diese fortan quasi gratis betrieben werden. Die dann anfallenden Verluste versuchen die Krankenhäuser über den stationären Bereich wieder wettzumachen. Was der Grund dafür ist, dass viele Leistungen, die eigentlich (kostengünstiger) ambulant erbracht werden könnten, stationär erfolgen, um sie einzeln abrechnen zu können. Das heißt, die Patienten werden von Spitälern, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, für einen oder mehrere Tage aufgenommen, obwohl es medizinisch gar nicht notwendig wäre.
"Nicht transparent"
Dieses Finanzierungsmodell ist für den Wiener Gesundheitsökonomen Ernest Pichlbauer „weder transparent noch setzt es sinnvolle Anreize, ambulant vor stationär zu versorgen“. Für die Spitäler sei es lukrativ, Patienten stationär zu versorgen und so LKF-Punkte zu sammeln, sagte er am Dienstag bei einer Pressekonferenz der Wiener Ärztekammer. Er – wie auch die Kammer – plädiert daher dafür, sich für eine Finanzierung aus einer Hand (Steuergeld oder Kassenbeiträge) zu entscheiden, damit, so Pichlbauer, bei der Behandlung von Patienten „nicht betriebswirtschaftliche, sondern gesundheitsökonomische Bewertungsmaßstäbe gelten“.