Coworking: Gemeinsam hip sein

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Die Tendenz nach gemeinsamen Arbeiten und geteilten Arbeitsplätzen steigt. Sie entwickelt sich zum weltweiten Arbeitsstil.

Während noch vor einigen Jahren der klassische Büroalltag in Europa bevorzugt wurde, kann der Coworking-Trend, der aus den USA kommt, nun auch die europäischen Unternehmer überzeugen. Diese neue Arbeitsform verbreitet sich nun auch in Deutschland, wo im Jahr 2017, die Coworking-Flächen in den sieben größten deutschen Städten, laut der Beratungsgesellschaft Colliers, sogar verfünffacht wurde und somit für immerhin fünf Prozent des Marktvolumens verantwortlich ist.

Flexibilität und gemeinsamer Ideenaustausch

Minimalismus und Innovation, gepaart mit großen, offenen Räumen im industrialistischen Design überzeugen durch besonderes Flair und schaffen so die perfekte Arbeitsatmosphäre. Die nackten Wände und offenen Rohre an der Decke laden zum kreativen Denken ein. Die freie Wahl der Schreibtische vermittelt die Flexibilität, selbst entscheiden zu dürfen, und eine Cafe-Bar lädt zum gemeinsamen Ideenaustausch und zur gemeinschaftlichen Vernetzung ein.

Früher in Metropolen, wie New York, London, Amsterdam und Dublin zu sehen, eröffnen heutzutage immer mehr Anbieter, wie WeWork aus New York oder Mindspace aus Israel in europäischen Großstädten Möglichkeiten des Büro-Sharings. In Frankfurt wurden, beispielsweise elf Mietveträge im Jahr 2017 abgeschlossen – mehr als in allen neun Jahren zuvor.

Große Firmen, kreative Startups

Die Anbieter der Coworking-Spaces stellen die ideale Zielgruppe dar, um große Büroverträge abzuschließen. Beinahe bei jedem neuerbauten Hochhaus wird die Möglichkeit auf Coworking-Flächen berücksichtigt. Während früher die Armut auschlaggebend für die Gründung solcher kreativen Gemeinschafts-Räume war, sind es längst nicht mehr finanzschwache Unternehmer, die geteilte Büros anmieten. Einige große Firmen tendieren immer häufiger dazu, Coworking-Büros anzumieten, um sich durch das Umweld von kreativen Köpfen als lässigen Arbeitsgegeber auf dem Markt zu positionieren.

Das lockt auch große Unternehmen wie Microsoft oder Samsung, die sich in Coworking-Spaces einmieten. Dies nicht immer nur, um das eigene Imge aufzmöbeln, sondern: Büros in attraktiver Lage werden Mangelware, weshalb eine Lösung gefunden werden muss. Durch das Coworking-Konzept stehen, laut dem Zentralen Immobilien-Ausschuss (ZIA), nur noch fünf Prozent der Flächen leer – Nur mehr halb so viel, wie im Jahr 2010.

Fleixibilität kostet ihren Preis

In Randlagen sollen zwar dennoch reichlich Büros frei stehen, allerdings präferieren die Firmen lieber die schicken Büros im Zentrum. Colliers-Expertin Susanne Kiese ergänzt, dass solche Coworking-Zentren vor allem in größeren und angespannten Märkten eine Pufferfunktion übernehmen. Dabei zahlen viele Mieter für ihre Flexibilität enorm hohe Mieten und legen Wert auf ein attraktives Design der Büros. Wohingegen die Unternehmen nur mit fünf bis sechs Quadratmeter pro Mitarbeiter rechnen, da sie die Gemeinschaftsnutzräume mitberücksichtigen.


Die Coworking-Anbieter hingegen stellen zahlreiche Features zur Verfügung: Nicht nur Schreibtische, Telefone, schnelles Internet und Konferenzräume, sondern auch Service, wie Kaffemaschinenen, Wassersprudler, Mikrowellen, Fahrradstellplätze, Putz- und Empfangspersonal wird angeboten.


Kiese meint, dass der amerikanische Trend nach Coworking-Plätzen in Europa durch die Digitalisierung und dem Wunsch nach flexiblem Arbeiten stetig zunehmen wird und wir uns erst am „Beginn der Expansionswelle“ befinden. Laut Martínez ist allerdings zu bedenken, dass sich die Lage und der Andrang nach dem Coworking-Konzept bei schwächerer Konjunktur auch schnell ändern kann. Aktuell ist aber noch kein Ende des Booms abzusehen.