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Das Ende der Wiener Schriftzug-Mauer

Die „Stadtschrift“-Wand in der Kleinen Sperlgasse ist bald Geschichte.
Die „Stadtschrift“-Wand in der Kleinen Sperlgasse ist bald Geschichte.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die historischen Geschäftsnamen in der Kleinen Sperlgasse werden demontiert.

Wien. Man könnte es typografisches Museum im öffentlichen Raum nennen. Oder schlicht: Mauer mit historischen Schriftzügen. So oder so ist dieses Projekt im zweiten Bezirk, das seit ziemlich genau vier Jahren aufgrund seiner Unübersehbar- und Einzigartigkeit eine gewisse Bekanntheit im Stadtbild erlangt hat, nun Geschichte.

Denn die dreizehn Schriftzüge auf der Hausmauer in der Kleinen Sperlgasse 2c müssen kommende Woche demontiert werden, da das benachbarte Sperlgymnasium ausgebaut und die bisherige Baulücke geschlossen wird. Wehmütig sei er schon, sagt Roland Hörmann. „Aber es war immer klar, dass wir sie irgendwann wieder runternehmen müssen.“ Hörmann, hauptberuflich Grafiker, betreibt gemeinsam mit Birgit Ecker den Verein Stadtschrift, der historische Schriftzüge etwa nach Geschäftsschließungen aufspürt, rettet und damit ein kleines Stück Wiener Stadtgeschichte, das sonst im Baucontainer landen würde, bewahrt. Vier Jahre lang konnten die Wiener nun 13 dieser Schriftzüge – vom längst geschlossenen Möbelladen bis zur Kleiderreinigung – im Zweiten bewundern. Die Mauer wurde dem Verein von Stadtschulrat und Bundesimmobiliengesellschaft kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ab 14. September werden die Schriftzüge aber aufgrund der nun beginnenden Bauarbeiten abmontiert – „und vorläufig eingelagert“, sagt Hörmann. Er habe zwar schon die eine oder andere Idee, wie es mit den alten Geschäftsnamen weitergehen könnte, spruchreif sei aber noch keine.

 

Weibliche Vornamen

Wie es der Zufall will, überschneidet sich das Ende der altbekannten Schriftzug-Mauer im Zweiten fast auf den Tag genau mit der Eröffnung einer neuen Schaumauer im Mariahilf: Denn ab 13. September (17 Uhr) zeigt der Verein Stadtschrift an der Hauswand Mollardgasse/Ecke Hofmühlgasse eine neue Auswahl alter Schriftzüge. Der Fokus liegt diesmal auf Schriftzügen weiblicher Vornamen – etwa alte Friseur-, Kosmetik- oder Café-Namen. Von der Idee bis zur Umsetzung sind einige Jahre vergangen, finanziert wird die teure Montage (10.000 Euro) mittels Crowdfunding.

Schon seit 2012 retten und sammeln Ecker und Hörmann historische Schriftzüge. Begonnen hat alles mit dem Zufallsfund einiger ramponierter Buchstaben aus einem Baucontainer, seither wurden – auch dank der Mithilfe aufmerksamer Wiener, die die beiden bei drohender Demontage alter Schilder informieren – Dutzende alte Schriftzüge gerettet. Ein weiterer Teil der Sammlung hängt im Schauraum des Vereins, der nach Vereinbarung (siehe Infobox) für Interessierte aufsperrt.

Auf einen Blick

Der Verein Stadtschrift sammelt seit Jahren alte Schriftzüge, die nach Geschäftsschließungen aus dem Wiener Stadtbild zu verschwinden drohen.
13 dieser Schriftzüge sind noch bis 14.9. auf der Mauer in der Kleinen Sperlgasse 2c montiert.
Ab 13.9. (17 Uhr) sind weitere historische Schriftzüge auf der Hausmauer Ecke Mollardgasse/Hofmühlgasse in Mariahilf zu sehen. Noch mehr Wiener Schriftzüge kann man im Schauraum in der Liniengasse – nur nach Vereinbarung – besichtigen. www.stadtschrift.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2018)