Sharon Donnery, Vize-Gouverneurin der irischen Notenbank, könnte oberste Bankenwächterin bei der Europäischen Zentralbank werden. Deutschland dürfte ihre Kandidatur unterstützen.
Bei der Neubesetzung des obersten EZB-Bankenwächters hat informierten Kreisen zufolge derzeit Irland die besten Karten. Dies sagten sieben Vertreter europäischer Institutionen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Vize-Gouverneurin der irischen Notenbank, Sharon Donnery, hatte vor kurzem ihren Hut in den Ring geworfen.
Die Position bei der EZB muss neu besetzt werden, weil die Französin Daniele Nouy Ende Dezember nach fünf Jahren aus dem Amt scheidet. Die Euro-Notenbank lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab.
Die Bewerbungsfrist für die Nouy-Nachfolge endete am 24. August. Das EU-Parlament hat ein Mitspracherecht bei der Auswahl des endgültigen Kandidaten, der schließlich von den EU-Finanzministern bestätigt werden muss.
Italienischer Kandidat "isoliert"
Donnery steht bei der EZB seit langem der wichtigsten Arbeitsgruppe vor, die sich mit dem Problem fauler Kredite in Bankbilanzen beschäftigt. Für sie spricht zudem, dass sich das Europaparlament auf die Fahnen geschrieben hat, den Anteil von Frauen in Top-Positionen zu erhöhen.
Am Montag war bekanntgeworden, dass sich auch der Italiener Andrea Enria, der derzeitige Chef der europäischen Bankenbehörde EBA, beworben hat. Der Leiter der französischen Finanzaufsicht, Robert Ophele, hatte zuvor ebenfalls seine Kandidatur bestätigt. In Medien war zudem EZB-Bankenkontrolleur Ignazio Angeloni als möglicher Kandidat genannt worden. Er war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
"Die Wahrscheinlichkeit, dass Enria den Job erhält, ist sehr gering, weniger als 30 Prozent", sagte einer der Insider. Italien sei innerhalb der EZB-Bankenaufsichtsbehörde isoliert, sagte eine weitere mit der Situation vertraute Person. Dahinter steht wohl auch die lautstarke Kritik Italiens an geplanten Regeln zum Abbau fauler Kredite. Die Vorschriften wurden daraufhin noch stark abgemildert. Italiens Banken ächzen unter einem gewaltigen Berg an Problemdarlehen.
Deutschland soll Donnery unterstützen
Nach früheren Angaben von Insidern unterstützt Deutschland die Bewerbung der Irin. Ein deutscher Kandidat gilt als unwahrscheinlich. Denn dadurch könnte der Weg versperrt werden, im nächsten Jahr den Nachfolger von EZB-Chef Mario Draghi zu stellen. Das EZB-Präsidentenamt gilt als besonders wichtig für die wirtschaftliche und finanzpolitische Entwicklung in Europa. Draghi scheidet Ende Oktober 2019 nach acht Jahren aus dem Amt. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wird als möglicher Kandidat gehandelt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nach eigenen Angaben bisher noch nicht entschieden, ob Deutschland einen Kandidaten für die Draghi-Nachfolge oder ein anderes Spitzenamt in der EU benennen wird. Ein anderslautender Pressebericht hatte zuletzt hohe Wellen geschlagen. Deutschland hat seit der Gründung der Europäischen Zentralbank 1998 noch keinen EZB-Präsidenten gestellt.
(APA/Reuters)