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Kurz und Blümel pilgerten zu den Bischöfen

Bundeskanzler Sebastian Kurz mit Kardinal Christoph Schönborn.
Bundeskanzler Sebastian Kurz mit Kardinal Christoph Schönborn.APA/KATHPRESS/DRAGAN TATIC
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Die römisch-katholische Kirche startete ihre Gesprächsreihe mit politischen Parteien. Beim Treffen mit ÖVP-Vertretern soll auch die Ehe für alle Thema gewesen sein.

Wien. Die römisch-katholische Bischofskonferenz sucht den Kontakt zur Politik und will sich mit Vertretern aller Parteien treffen. Als Erste waren am Donnerstag Repräsentanten der ÖVP am Zug. Bundeskanzler Sebastian Kurz und Kultusminister Gernot Blümel statteten zu Mittag Kardinal Christoph Schönborn und den österreichischen Bischöfen einen Besuch ab. Zwei Stunden wurde im Erzbischöflichen Palais in Wien miteinander gesprochen.

„Die Bischöfe konnten dabei mit der Regierungspartei Fragen rund um Lebensethik, Ehe und Familie besprechen“, hieß es in einer Aussendung der Kathpress. Dem Vernehmen nach wurde aber auch über die geplante Einführung der Ehe und der Eingetragenen Partnerschaft für alle gesprochen.

Justizminister Josef Moser hat erklärt, im Zuge der Umsetzung eines Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) beide Rechtsinstitute für alle öffnen zu wollen. Der VfGH hatte entschieden, dass ab 2019 homo- und heterosexuelle Partnerschaften gleich behandelt werden müssen. Nicht für alle in der Regierung ist aber Mosers Plan eine ausgemachte Sache. So hatte Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) erklärt, zuvor noch das Gespräch mit der Kirche suchen zu wollen.

 

SPÖ: Zivilehe Sache des Staats

Eine Aussage, die seitens der Opposition für Kritik sorgte. So forderte die SPÖ eine rasche Umsetzung des VfGH-Erkenntnisses. „Die Meinung der Kirche ist zu respektieren, aber der FPÖ-Chef schießt mit solchen Aussagen wieder einmal meilenweit am Tor vorbei. Wir diskutieren über zivile Ehen und Partnerschaften – es ist ausschließlich die Aufgabe des Staats, hier Regeln zu schaffen“, erklärte SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner.

Die römisch-katholische Kirche sprach sich stets gegen die Ehe für alle aus und hatte das VfGH-Erkenntnis bedauert. Öffentlich wollte sich Schönborn gestern aber nicht zum Thema äußern. Die evangelisch-lutherische Kirche verwies am Donnerstag auf eine Stellungnahme von Bischof Michael Bünker aus dem Vorjahr. Darin hatte Bünker sich für die zivilrechtliche Ehe für alle ausgesprochen. Die Ehe sei „ein weltlich Ding“, hatte Bünker Martin Luther zitiert.

Gespräche der Bischofskonferenz mit den anderen Parteien sollen folgen und seien bereits teilweise terminlich fixiert, hieß es seitens der katholischen Kirche. Beim Gespräch mit der Volkspartei am Donnerstag waren neben Kanzler Kurz und Minister Blümel auch Klubobmann August Wöginger und Generalsekretär Karl Nehammer dabei. Mit der Präsidentin der Politischen Akademie, Bettina Rausch, nahm auch eine Frau an den Gesprächen zwischen der ÖVP und der Bischofskonferenz teil. (red./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2018)