Musikverein: Endlich wieder edler Celloton

Cellist Yo-Yo Ma, Pianist Emanuel Ax und Violinist Leonidas.
Cellist Yo-Yo Ma, Pianist Emanuel Ax und Violinist Leonidas.imago/Xinhua

Kritik Saisonauftakt mit dem Comeback von Yo-Yo Ma an der Seite von Leonidas Kavakos und Emanuel Ax mit Zeitverzögerung.

Nach der Pause fand Yo-Yo Ma zur legendären Form: Hier der edle, schlackenlose Celloton, erhaben über alle technischen Problemstellungen, dort die authentische Größe von Vortrag und Formulierung – Charakter, Temperament und Poesie ergänzen einander einträchtig. In Wien wie in Salzburg schmerzlich lang vermisst, fand Yo-Yo Ma – im Auftreten eine charmante Mischung aus Sonnyboy und Instanz – für die drei Brahms-Trios den Weg zurück in den Goldenen Saal – nach beinahe 20 Jahren, wobei ihm keiner den früheren Seitensprung zum Barockcello nachtragen wollte.

Brahms sollte eigentlich ein urwienerisches Thema sein, erscheint aber oft als schwere Kost. Auf verschlungenen Pfaden werden rote Fäden geknüpft, großer elegischer Ton steht für die Innenwelt der Außenwelt, Innovationen innerhalb engster Bezirke der Architektur – als passte dazu Beckmessers freches „dass Ihr mit aller Biederkeit der Ärgste aller Spitzbuben seid“.

Yo-Yo Ma und seine Freunde Leonidas Kavakos und Emanuel Ax müssen sich gar nicht erst bemühen, wie ein austrainiertes Klaviertrio zu erscheinen. Improvisatorisch wirft man einander die Bälle zu. Selbstverständlichkeit durch Augenkontakt – doch leidet darunter die Balance: Kavakos' dominierender Geigenton zeugt nicht von Respekt gegenüber den beiden älteren Herren, während Ax – Stromlinien-Mezzoforte mit viel Pedal statt klare Meinungen – verlässlich begleitet. Es lag sicher auch an der Programmfolge – die beiden späteren Trios vor der Pause –, dass Yo-Yo Ma zunächst seltsam schüchtern im Hintergrund blieb. Der vorerst fahle Ton wich seiner typischen farbenfrohen Beredsamkeit, sobald das frühe H-Dur-Trio dem Cellisten viele dankbare Führungsaufgaben zufallen ließ.

Jeglicher Tourneestress schien bei der Wiener Zwischenlandung mit der abschließenden Verbeugung vor dem genius loci vergessen: Mit dem Andante aus Schuberts B-Dur-Trio war die Welt wieder in schönster Ordnung.