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Terence Hill: "Nur Bud Spencer ist nie etwas passiert"

Im echten Leben habe er sich nur ein Mal geprügelt, erzählt Terence Hill, der für eine Kinotour nach Österreich gekommen ist.
Im echten Leben habe er sich nur ein Mal geprügelt, erzählt Terence Hill, der für eine Kinotour nach Österreich gekommen ist.(c) WERNER KERSCHBAUM
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Der Schauspieler, eine Legende des Italowestern, sprach mit der "Presse am Sonntag" über schmerzhafte Schlägereien, fiese Kinder, Bohnen, seine spirituelle Seite und das Schicksal, das ihn einst mit Bud Spencer zusammengebracht hatte.

Gut gehalten hat er sich: Schwungvollen Schritts, in Jeanshemd und Baseballcap präsentiert sich Terence Hill den Fotografen und Journalisten. Auch in seinem neuen Film „Mein Name ist Somebody“ zeigt der mittlerweile 79-jährige Schauspieler, der im Duo mit dem verstorbenen Bud Spencer zu einer Legende wurde, dass er noch immer kräftig mit der Bratpfanne ausholen kann. Im Gespräch erzählt er, wie alles begonnen hat.

 

Sie haben in derselben Wüste, in der Sie nun Ihren neuen Film gedreht haben, 1967 Bud Spencer kennengelernt. Wie haben Sie diese Begegnung in Erinnerung?

Terence Hill: Es war witzig. Der Film hieß ursprünglich „Die Katze, der Hund und der Fuchs“ (heraus kam er als „Gott vergibt ... Django nie!“, Anm.). Bud Spencer hat den Hund gespielt. Der Schauspieler, der die Katze spielen sollte, hatte nach einer Woche Krach mit seiner Freundin: Er wollte sie treten, doch sie entwischte, er trat die Wand und brach sich dabei den Fuß. Der Regisseur wählte mich als Ersatz. Es musste ganz schnell gehen. Ich bekam eine Cowboy-Uniform, wurde ans Set geführt, dann sagte man mir: „Dieser Mann hier ist der Hund, Carlo Pedersoli.“ Unsere erste Szene war gleich eine Schlägerei. Keine Worte, es ging gleich zur Sache. In Almería habe ich Bud Spencer damals getroffen, dort habe ich mich auch verabschiedet: Ich war in derselben Wüste, um einen Drehort für meinen neuen Film zu suchen. Ich wollte noch weitersuchen, als mein Handy klingelte. Es war Bud Spencers Sohn, der sagte: „Mein Vater ist gerade von uns gegangen.“ Erst war ich traurig, aber dann erfüllte mich sehr große Freude: Bud wusste, dass ich immer alles perfekt machen wollte. Er sagte dann: „Sei nicht so wählerisch, es ist gut.“ Also habe ich diesen Ort als Drehort für den neuen Film gewählt.

 

Glauben Sie, dass das Schicksal Sie beide zusammengeführt hat?

Ja. Aus gutem Grund: Es ist nicht leicht, zwei Schauspieler zusammenzukriegen, die ein gutes Duo sind, das die Leute mögen. Bud hat immer gesagt: Man kann nicht aus dem Nichts zwei Schauspieler finden, die wie Oliver und Stan sind. Dass sich damals dieser Schauspieler den Fuß gebrochen hatte, war unser Glück. Es war wirklich Schicksal, dass wir beide zusammengearbeitet haben.

Haben Sie sich auch im echten Leben je geprügelt?

Ja, als ich klein war. Ich lebte in Lommatzsch bei Dresden, bis ich fast sechs war. Dann ging ich in Italien zur Schule, in einem Städtchen in Umbrien. Die Kinder gingen auf mich los, weil ich ganz blond war, sie nannten mich „Tedescaccio“ (frei übersetzt: „blöder Deutscher“, Anm.). Ich habe ihnen gleich auf die Nase gehauen. Die Lehrerin hat meine Mutter gerufen, daraufhin bekam ich eins von ihr über. Dann habe ich es nie mehr gemacht.

 

Haben Sie sich bei Dreharbeiten je ernsthaft verletzt?

Meist nur leicht, aber in „Zwei wie Pech und Schwefel“ gab es eine Schlägerei, bei der der Stuntman mir mit einer Bank auf den Kopf zielen, ich mich ducken und er die Wand treffen sollte. Das haben wir drei, vier Mal probiert. Dann sagte der Regisseur: Noch einmal! Aber wir hatten keine falsche Bank mehr. Also mussten wir eine richtige Bank nehmen. Ich duckte mich, kam wieder hoch und – Bong! – bekam die Bank auf den Kopf. Ich musste mit vier Stichen genäht werden. Das passiert. Nur Bud Spencer ist nie etwas passiert.

 

In Ihren Filmen sah man Sie oft Bohnen essen. Hatten Sie nie genug davon?

Nein, ich esse noch Bohnen! Wenn auch nicht so viel wie damals. Einmal hatte ich 36 Stunden lang nichts gegessen, dann aß ich einen ganzen Topf auf. Ich glaube, die Leute mochten das, weil sie spüren konnten, dass ich hungrig war. Wenn man jetzt in Filmen die Schauspieler essen sieht – die essen gar nichts, die tun nur so!

 

Ihr neuer Film ist voller religiöser Symbole. Sind Sie religiös?

Ich würde es spirituell nennen. Das sind wir alle. Manchmal verstecken wir es, aber es ist da. Wir alle haben Fragen.

 

Stimmt es, dass Sie als junger Schauspieler sehr schüchtern waren?

Ja. Das bin ich immer noch. Ich habe gelernt, es zu verstecken. Damals mochte ich das Schauspielern nicht. Erst nachdem ich „Die linke und die rechte Hand des Teufels“ gedreht hatte, konnte ich sagen: Das mache ich gern.

Steckbrief

Terence Hill wurde am 29. März 1939 als Mario Girotti in Venedig geboren. Sein Vater war Italiener, seine Mutter Deutsche. Gemeinsam mit seinem Leinwandpartner Bud Spencer wurde er zu einer Italowestern-Legende.
Sein neuer Film,
„Mein Name ist Somebody“, den er dem 2016 verstorbenen Spencer widmet, wird heute, Sonntag, und am 11. September in zahlreichen Kinos gezeigt. Im November kommt er auf DVD heraus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2018)