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Namensstreit und Sparpolitik: Krawalle bei Protesten in Thessaloniki

Ein Teil der Demonstranten in Thessaloniki verhielt sich aggressiv.
Ein Teil der Demonstranten in Thessaloniki verhielt sich aggressiv.REUTERS
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Die Polizei setzte Tränengas gegen Demonstranten rechte Organisationen ein, die die Polizei attackierte. Viele Menschen skandierten: "Mazedonien ist nur griechisch."

Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki gegen den Kompromiss im jahrelangen Streit um den Staatsnamen Mazedoniens demonstriert. Die Menschen skandierten nationalistische und rechtsextreme Sprüche: "Mazedonien ist nur griechisch", riefen sie. Wie das staatliche TV berichtete, kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Zu den Demonstrationen hatten konservative, nationalistische und auch rechtsextreme Organisationen aufgerufen. Reporter vor Ort berichteten jedoch, es seien deutlich weniger Demonstranten erschienen, als bei ähnlichen Protesten und Kundgebungen in den vergangenen Monaten.

Rund 200 Vermummte lösten sich aus der Demonstration und warfen Steine und andere Gegenstände auf die Polizei. Die Beamten setzten Tränengas, Blendgranaten und Schlagstöcke ein, um die Randalierer auseinander zu treiben, wie das Fernsehen zeigte. Die anderen Demonstranten flohen vor der Gewalt.

Volksabstimmung in (Nord-)Mazedonien

Griechenland und Mazedonien hatten am 17. Juni eine Vereinbarung zur Beilegung des seit gut einem Vierteljahrhundert andauernden Streits um den Namen Mazedonien unterzeichnet. Danach soll die ehemalige jugoslawische Teilrepublik künftig Nord-Mazedonien heißen und sich damit von der nordgriechischen Provinz Mazedonien (griechisch: Makedonia) und der hellenischen Antike unterscheiden. Als Gegenleistung will Athen den Weg des Landes zur Nato und in die EU nicht länger blockieren.

Am 30. September soll in Mazedonien eine Volksabstimmung zur Namensänderung stattfinden. Danach muss das Parlament in Skopje eine Verfassungsänderung mit dem neuen Namen billigen. Erst danach soll das griechische Parlament das Abkommen ratifizieren. Die meisten griechischen Parteien, darunter auch die größte Oppositionspartei, die konservative Nea Dimokratia, (ND) lehnen das Abkommen ab.

Sparpolitik im Fokus

Mehrere Tausend Menschen demonstrierten aber auch gegen die Sparpolitik der Regierung des linkspopulistischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und gegen die hohe Arbeitslosigkeit. "Wir wollen Jobs und nicht endlose Steuern", hieß es auf Transparenten, die im Fernsehen zu sehen waren.

Tsipras wollte am Samstagabend bei der Eröffnung der 83. Internationale Messe von Thessaloniki (DETH) in Thessaloniki bei einer Rede seine Pläne für die künftige Wirtschafts- und Sozialpolitik darlegen. Zuvor hatte er zusammen mit US-Handelsminister Wilbur Ross den amerikanischen Pavillon auf der Messe besucht. Die USA sind dieses Jahr Ehrengast der Messe von Thessaloniki.

US-Investitionen in Werften?

Ross erklärte, zahlreiche US-Unternehmen seien bereit, in Griechenland zu investieren. Das Land sei ein Ort der Stabilität im östlichen Mittelmeer. Griechische Medien berichteten, US-Unternehmen hätten bereits Interesse für den Kauf zwei griechischer Werften geäußert. Nach acht Jahren Spar- und Hilfsprogrammen war Griechenland am 20. August aus den Finanz-Hilfsprogrammen entlassen worden. Das Land muss sich in den kommenden Jahren nun wieder aus eigener Kraft finanzieren.

Die griechische Polizei war bereits im Vorfeld der Messe in Alarmbereitschaft versetzt worden. Rund 3.600 Beamte waren im Einsatz. Gewerkschaften haben ebenso Proteste angekündigt, wie rechtsextreme und nationalistische Gruppen. Gegen deren Kundgebungen wollten wiederum Linksautonome aufmarschieren.

(APA/dpa/Reuters)

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