Chemnitz-Video: Angreifer als Mitarbeiter von Securityfirma identifiziert

Am Abend des 26. August kam es nach der Tötung eines Mannes zu teils gewalttätigten Demonstrationen in Chemnitz.
Am Abend des 26. August kam es nach der Tötung eines Mannes zu teils gewalttätigten Demonstrationen in Chemnitz.(c) REUTERS (MATTHIAS RIETSCHEL)

Laut ZDF-Recherchen war einer der Männer in dem umstritten und von Verfassungsschutz-Präsident Maaßen angezweifelten Video Mitarbeiter von Securitas.

Es ist einer der zentralen Bildbeweise für die Gewalt gegen Ausländer und Andersaussehende in Chemnitz am 26. August, über den viel Uneinigkeit herrscht: Auf jenem Video von besagtem Datum, dessen Echtheit selbst Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen zunächst angezweifelt hatte, ist zu sehen, wie Männer hinter anderen Menschen herrennen. Dabei sind Rufe zu hören wie "Haut ab! Was ist denn, ihr Kanaken?" und "Ihr seid nicht willkommen!".

Wie der deutsche Fernsehsender ZDF nun in einer Vorausmeldung erklärte, soll einer der Männer, die in Chemnitz aus einer spontanen Demonstration heraus ausländisch aussehende Menschen attackiert haben sollen, angeblich Mitarbeiter einer bundesweit tätigen Sicherheitsfirma sein. Das berichtet das ZDF-Magazin "Frontal 21" am Dienstag. Demnach erklärte ein Sprecher des Unternehmens Securitas, dass man sich Ende "mit sofortiger Wirkung von dem Mitarbeiter getrennt" habe.

Die Entlassung des Mannes sei "weniger als zwölf Stunden, nachdem uns das Video bekannt wurde", erfolgt. "Securitas Deutschland hat gegenüber rechtsradikaler oder fremdenfeindlicher Gesinnung eine Null-Toleranz-Politik", sagte der Unternehmenssprecher laut ZDF.

Aussage ohne Überprüfung

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen war für seine Zweifel an der Authentizität des Videos stark kritisiert worden. In der deutschen Zeitung "Welt" war am Dienstag zu lesen, dass Maaßen die Echtheit der Bilder von den Chemnitzer Ausschreitungen ohne Überprüfung durch Fachleute angezweifelt habe. Erst nachdem Maaßen sich darüber zweifelnd geäußert hatte, hätten Fachleute seiner Behörde sich mit der Glaubwürdigkeit beschäftigt, berichtete die "Welt" am Dienstag.

Das Video steht als Beleg für die Vorwürfe, bei den Chemnitzer Ausschreitungen sei es zu Hetzjagden auf ausländisch aussehende Menschen und rechtsextremistische Übergriffe gekommen. In der Aufnahme ist zu sehen, wie an einem Chemnitzer Platz mehrere Männer zwei andere bedrohen, die weglaufen, als ein Mann einem der beiden entgegenrennt. Vergangenen Freitag hatte die "Bild"-Zeitung Äußerungen von Maaßen veröffentlicht, nach denen es keine belastbaren Informationen über Hetzjagden gab und auch keine Belege für die Authentizität des Videos.

Die Äußerungen des Verfassungsschutz-Präsidenten hatten parteiübergreifend Empörung ausgelöst. Kritiker werfen ihm vor, die Chemnitzer Geschehnisse verharmlosen zu wollen. Parteiübergreifend wird seine Eignung als Chef des Verfassungsschutzes in Zweifel gezogen. Am Mittwoch soll sich Maaßen vor dem parlamentarischen Kontrollgremium und dem Bundestagsinnenausschuss verantworten. Auch Innenminister Horst Seehofer (CSU) wird sich den Fragen des Ausschusses stellen.

Demonstrationen und Ausschreitungen

Nach der Tötung eines 35-Jährigen in Chemnitz Ende August hatte es dort in den vergangenen Tagen bereits mehrfach Kundgebungen auch rechter Gruppen gegeben, die teilweise in Ausschreitungen mündeten. Dabei wurden auch Ausländer und Journalisten angegriffen. Zwei mutmaßlich aus Syrien und dem Irak stammende Männer sitzen wegen des Tötungsdelikts in Untersuchungshaft. Nach einem dritten Tatverdächtigen wird gefahndet. Die erste Spontandemo unmittelbar nach dem Tod des 35-Jährigen war unter anderem von der rechten Hooligan-Gruppe "Kaotic Chemnitz" initiiert worden.

Die Sendung "Frontal 21" wird am heutigen Dienstag, 11. September 2018, 21 Uhr, im ZDF ausgestrahlt.

(APA/dpa/Reuters)