Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ein Schachspieler übernimmt die Erste Group

Pressekonferenz Erste Bank Group =
Bernhard Spalt (li.) war seit Beginn der Finanzkrise (Foto aus 2009) Andreas Treichls wichtigster Feuerwehrmann.Müller/picturedesk.com
  • Drucken

Österreichs größte Bank hat über die Nachfolge von Langzeit-Chef Andreas Treichl entschieden. Dieser übergibt per Ende 2019 das Ruder an Österreich-Risikovorstand Bernhard Spalt. Der Analytiker tritt ein großes Erbe an.

Wien. Dass er spätestens nach Ablauf seines Vertrages im Juni 2020 gehen wird, machte Erste Group-Chef Andreas Treichl bereits vor längerem klar. Die Frage war also nicht mehr, ob Österreichs größte Bank einen neuen Chef bekommen wird, sondern nur mehr, um wen es sich dabei handelt. Diese Entscheidung ist nun gefallen, wie die Erste am Donnerstagnachmittag bekannt gab. Per Ende 2019 wird der derzeitige Risikovorstand der Erste Bank Österreich, Bernhard Spalt, die Nachfolge von Treichl übernehmen.

Der neue Chef

Mit dem 50-jährigen gebürtigen Vorarlberger übernimmt ein echtes „Erste-Urgestein“ die Führung der Bank. Denn Spalt ist bereits seit 27 Jahren in verschiedensten Funktionen für das Institut tätig – also mehr als die Hälfte seines Lebens. Dass ihm eine große Karriere bevorstehen könnte, wurde einer breiteren Öffentlichkeit das erste Mal im Jahr 2006 klar. Damals zog Spalt als 38-Jähriger bereits in den Vorstand der Erste Group ein und wurde Risikovorstand für das gesamte Unternehmen.

Diese wichtige Position behielt er auch während der heißesten Phase der Finanzkrise. 2012 erfolgte dann allerdings ein Wechsel, der auf den ersten Blick als Rückschritt erscheint – er ging zur ungarischen Tochter und wurde in Budapest Risikovorstand. Seine Aufgabe dort sei jedoch eher die einer Feuerwehr gewesen, heißt es. Denn zu dieser Zeit kämpfte die Erste in Ungarn gerade mit wirtschaftlichen Problemen und politischen Widerständen der Regierung Orban. 2015 löste die Erste Letzteres ja bekanntlich durch die Hereinnahme des ungarischen Staates in ihre Tochter. Just zu diesem Zeitpunkt waren auch die Aufgaben Spalts in Budapest beendet, er wechselte zuerst in die Slowakei und später nach Rumänien.

Erst Anfang dieses Jahres wurde er wieder nach Wien zurückgeholt – wohl in Hinblick auf den bevorstehenden Chefwechsel. Da der Job der Risikovorstandes in der Holding bereits mit Ex-Bank Austria-Chef Willibald Cernko besetzt war, zog er „nur“ in jenen der Österreich-Tochter ein. Es sollte ihm nicht zum Nachteil gereichen.

Mit Spalt tritt nun ein Manager an die Spitze der Erste Group, der von Beobachtern als nachdenklicher Analytiker beschrieben wird. Der passionierte Schachspieler (seine beste Elo-Wertung liegt bei 2049) kenne die Bank so gut wie kaum ein anderer und sei auch mit den immer komplexer werdenden regulatorischen Vorgaben bestens vertraut, heißt es. Er ähnelt damit ein wenig RBI-Chef Johann Strobl, der zuvor ebenfalls Risikovorstand war und weniger durch geschwungene Reden als durch klare Analysen auffällt. Dennoch war die Bestellung von Spalt für viele auch innerhalb der Bank eine Überraschung. Denn als Favorit für die Treichl-Nachfolge galt der für das Digital-Banking George verantwortliche Privatkundenvorstand Peter Bosek.

Die Aufgabe

Spalt übernimmt die Erste Group zu einer Zeit, in der die Branche gehörigen Umbrüchen unterworfen ist. So wird der gesamte Bankensektor durch die Digitalisierung und neue Konkurrenten – sogenannte Fintechs – unter Druck gebracht. Die etablierten Banken müssen darauf reagieren und beispielsweise Kosten senken, ohne ihre bestehenden Kunden zu vergrämen.

Gleichzeitig wurde seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren auch die Regulierung deutlich verschärft. Der richtige Umgang mit den Geld und Personal bindenden Vorschriften kann über den Erfolg einer Bank entscheidend sein. Zudem muss die Erste Group nach wie vor ihr Geschäft in Osteuropa konsolidieren. Zwar läuft es seit einigen Jahren wieder hervorragend, die Gewinne sprudeln. Grund dafür sind aber vor allem die niedrigen Kreditvorsorgen. Sobald sich der ökonomische Wind dreht, werden diese auch wieder ansteigen. Hier die richtige Balance zwischen Wachstum und Risikovermeidung zu halten, ist enorm wichtig.

Das Erbe

Die Fußstapfen in die Bernhard Spalt tritt sind groß. Sein Vorgänger Andreas Treichl führt das Finanzinstitut seit 1997 und hat in dieser Zeit die Erste nicht nur zur größten Bank Österreichs gemacht sondern auch zu einem relevanten Spieler in ganz Mittelosteuropa. Die Bank betreut mit 48.000 Mitarbeitern in rund 2600 Filialen etwa 16 Millionen Kunden und hat eine Bilanzsumme von über 200 Mrd. Euro. Um sich in Ruhe auf den Job vorzubereiten wird Spalt daher auch bis Mitte 2019 seine derzeitigen Funktionen zurücklegen und in der Folge als Vize-Chef der Erste Group fungieren.


[OS3W

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2018)