EZB strafft ihre lockere Geldpolitik

Zinsen. Die Anleihenkäufe werden auf 15 Mrd. Euro halbiert und laufen Ende 2018 aus.

Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert, wie von Volkswirten erwartet, auf das Ende ihrer vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe zu. Sie beschloss am Donnerstag, die Transaktionen ab Oktober auf 15 Mrd. Euro je Monat zu halbieren. Zum Jahresende sollen sie dann ganz eingestellt werden, sofern die Konjunktur weiter mitspielt. Damit würde die EZB insgesamt 2,6 Billionen Euro in die Stabilisierung der Märkte gepumpt haben.

Was die Konjunktur betrifft, verwiesen die Zentralbanker unter Mario Draghi auf die zunehmenden Risken durch Handelskonflikte. Für heuer erwartet die Notenbank für die Eurozone noch einen Zuwachs von zwei Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP), wie Draghi nach der Sitzung des EZB-Rats sagte. Vor drei Monaten hatten die EZB-Experten ihre Wachstumsprognose bereits von 2,4 auf 2,1 Prozent heruntergesetzt.

2019 soll die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder nach der neuesten Vorhersage um 1,8 Prozent (Juni: 1,9) zulegen. Für 2020 erwarten die Währungshüter unverändert 1,7 Prozent Wachstum.

Die Teuerung dürfte nach Einschätzung der Zentralbank heuer sowie 2019 und 2020 bei 1,7 Prozent liegen. Hier blieben die Erwartungen der Währungshüter unverändert. Mittelfristig strebt die Notenbank eine jährliche Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an – weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben – in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird. Das wiederum würde dämpfend wirken.

Bei den Zinsen bleibt die EZB zurückhaltend: Demnach sollen die Schlüsselzinsen noch bis mindestens „über den Sommer 2019“ hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben. Der Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

„Die EZB betreibt feinste Salamitaktik. Sie dreht ihren Expansionsgrad nur scheibchenweise zurück“, kommentierte Alexander Krüger, Chefökonom vom Bankhaus Lampe. (Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2018)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.