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Der Untermieter

Vor Kurzem wieder mal im Döblinger Kreisky-Forum, dem Domizil des einstigen Bundeskanzlers.

Vor Kurzem wieder mal im Döblinger Kreisky-Forum, dem Domizil des einstigen Bundeskanzlers. Im Wohnzimmer, neben dem offenen Kamin, hatte der Hausherr alle möglichen Erinnerungsfotos anbringen lassen, aber auch einen edel gerahmten Brief, auf den er sehr stolz war und den er jedem Besucher erklärte. Es war ein Dankesbrief Oskar Kokoschkas.

Dank wofür? Nun, Kreisky hatte sich 1974 völlig bewusst der Irreführung der Behörden schuldig gemacht – eigentlich ein unentschuldbares Delikt, noch dazu als amtierender Bundeskanzler! Er wollte den weltberühmten Maler für Österreich zurückhaben, dem Besitzer eines britischen Passes die österreichische Staatsbürgerschaft zurückgeben. Ein Ansuchen Kokoschkas hätte dafür gereicht. Doch der in der Schweiz lebende Künstler war zu stolz, um darum zu bitten. Und außerdem hatte er keinen „ordentlichen Wohnsitz“ in Österreich. Also meldete ihn Kreisky ohne dessen Wissen einfach als Untermieter in der Armbrustergasse 15.

Der Zweck heiligte die Mittel: 1974 konnte Kreisky dem verdutzten Maler die neue österreichische Staatsbürgerschafturkunde übermitteln. Und Kokoschka antwortete gerührt, amüsant auf diesen Kreisky-Coup, wodurch „ich noch lebendig der Republik Österreich einverleibt wurde“.(hws)

Reaktionen an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2018)