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CO2-Bepreisung: Schweiz als Klimavorbild

Österreich auf Rang 13 von 42 Staaten.

Wien. 30 Euro: Auf diesen Wert schätzen Forscher die Umweltkosten von einer Tonne Kohlendioxid, das in die Atmosphäre geblasen wird und damit den Klimawandel antreibt. Damit die Verursacher diese Kosten auch wirklich tragen, hat man sich einiges einfallen lassen: Handel mit Emissionszertifikaten, explizite CO2-Steuern und natürlich Verbrauchssteuern auf Sprit (wie die heimische Mineralölsteuer) oder auf Strom aus fossilen Quellen. Die OECD hat nun errechnet, wie erfolgreich 42 Industriestaaten und Schwellenländer dabei sind. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die tatsächliche Bepreisung liegt im Schnitt mit knapp über sieben Euro um 76,5 Prozent unter den realen Kosten. Die Lücke ist zwar seit 2012 etwas kleiner geworden. Aber wenn es in diesem Tempo weitergeht, braucht es bis 2095, um sie schließen.

Doch es gibt Vorbilder. Am niedrigsten ist die Preislücke mit nur 27 Prozent in der Schweiz. Die Nachbarn haben ihre Steuern auf fossile Treibstoffe und Brennmaterial in zwei Schritten (2014 und 2016) massiv erhöht. Dazu hat die Schweiz ihr eigenes Emissionshandelssystem für die Industrie. Ihrem Wirtschaftswachstum hat das offenbar nicht geschadet.

Niedrig ist die Lücke auch in Norwegen mit 34 Prozent. Es folgen Frankreich, Großbritannien und die Niederlande mit Werten knapp über 40 Prozent. Österreich kommt nur auf Rang 13 mit 51 Prozent, Deutschland liegt knapp dahinter. Besonders schlecht steht es um die CO2-Bepreisung in den USA (75 Prozent Lücke), China (90 Prozent) und dem Schlusslicht Russland, wo das Treibhausgas überhaupt nicht besteuert wird.

Erreicht die Bepreisung aber ihr Ziel, die Emissionen zu reduzieren? Das seriös zu prüfen, ist sehr haarig. Aber die Korrelation lässt sich leicht zeigen: Volkswirtschaften mit kleiner Preislücke sind tendenziell weniger CO2-intensiv (freilich immer bezogen auf ihr BIP). So erreichen die Schweiz, Norwegen und Frankreich ihre Wirtschaftsleistung mit dem relativ niedrigsten CO2-Einsatz von allen betrachteten Ländern. (gau)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2018)