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Gipfelfieber: Ausnahmezustand bei Kaiserwetter an der Salzach

(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)
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Wenn sich die europäische, ja die Weltpolitik in der Mozartstadt trifft, müssen Bürger warten. Die hohen Politiker und ihre Entourage verursachten Straßensperren, 1750 Polizisten und 850 Soldaten sind im Einsatz.

Salzburg. Antonío Costa, der Regierungschef Portugals, kam als erster Gast. Pünktlich um acht Uhr Früh landete am Mittwoch sein Flugzeug am Salzburg Airport. Die Begrüßung übernahm Landeshauptmann Wilfried Haslauer, der sich angesichts der 28 teilnehmenden Staats- und Regierungschefs des informellen EU-Gipfels mit Salzburgs Bürgermeister, Harald Preuner, und Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf beim Empfang der Gäste am Flughafen abwechselte.

Salzburg tat, unterstützt von sonnig-mildem Wetter, alles, um sich bei dem großen europäischen Rendezvous, das heute Nachmittag schon wieder endet, von seiner allerschönsten Seite zu zeigen. Schließlich geht es auch darum, das Treffen als Werbung für die Mozartstadt zu nutzen.
Nach der Ankunft ging es für Costa und seine Begleitung im Autokonvoi in die Innenstadt. Der Portugiese nützte die Zeit bis zum Bankett in der Felsenreitschule unter anderem für einen Bummel durch die Getreidegasse.

 

Hochzeit der Fahrräder

Die Stadt Salzburg lag am Mittwoch ganz im Gipfelfieber. Überall sah man Polizisten und Soldaten, immer wieder hörte man Hubschrauber kreisen. Dafür war der Verkehr vergleichsweise gering – die Salzburger hatten angesichts der angekündigten Straßensperren und Platzverbote die Autos meist gleich stehen lassen und waren auf Fahrräder und Öffis umgestiegen. Schließlich hieß es bei jedem vorbeifahrenden Konvoi für die normalen Verkehrsteilnehmer warten.

Am Mittwochnachmittag landeten die hohen Gäste dann im Halbstundentakt am Flughafen, wo 80 gepanzerte Limousinen mit Bundesheerchauffeuren für den Transport in die Innenstadt warteten. Der Sicherheitsaufwand für die Veranstaltung ist enorm – auch wenn man sich über die Kosten in Schweigen hüllt. Insgesamt sind während des Treffens 1750 Polizisten im Einsatz. Die Kosten allein für diese Kräfte ließen sich noch nicht beziffern, sagte Polizeisprecher Michael Rausch zur „Presse“.

Das Bundesheer sichert den Luftraum über Salzburg. Es ist mit 850 Soldaten und 24 Flugzeugen und Hubschraubern, darunter vier Eurofightern und zwei Saab-105, präsent. Während des Gipfels gilt in einem 60-Kilometer-Radius um Salzburg ein Flugbeschränkungsgebiet. Zur Überwachung sind ständig vier bis Flugzeuge und Hubschrauber in der Luft.

 

Gegenveranstaltungen

Hochbetrieb herrscht auch bei jenen, die dem Ereignis kritisch gegenüberstehen. Nach einem mehrtägigen „Alternativgipfel“ zum Thema Flüchtlingspolitik organisierte das Bündnis „Solidarisches Salzburg“ am Mittwoch eine Demo. Der „Marsch der Verantwortung“ richtete sich gegen die als unfair empfundene Flüchtlingspolitik der EU. Mit Namenschildern wurde dabei jener etwa 30.000 Menschen gedacht, die bisher auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrunken sein sollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2018)