Betrugsermittlungen gegen Tesla-Chef

Tesla-Chef Elon Musk.
Tesla-Chef Elon Musk.(c) REUTERS

Ein Tweet von Elon Musk führt nun zu großflächigen Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft.

Wien. „Ich überlege, Tesla von der Börse zu nehmen. Zum Preis von 420 Dollar je Aktie. Die Finanzierung ist gesichert.“ Mit diesem Tweet sorgte Tesla-Chef Elon Musk Anfang August weltweit für Aufregung. Die Aktie des Elektroautoherstellers schoss in der Folge zeitweise um mehr als zehn Prozent nach oben, obgleich sie mit rund 360 Dollar immer noch deutlich unter dem von Musk angekündigten Niveau blieb.

Das Misstrauen der Anleger hatte offenbar einen guten Grund. So war bereits nach einigen Tagen Unsicherheit klar, dass Musk seine Ankündigung nicht wahr machen wird. Zwei Wochen nach dem Tweet ließ Musk seine Ankündigung auch offiziell fallen. Beobachter glauben, dass er mit dem Tweet lediglich Short-Sellern, die auf einen fallenden Tesla-Kurs setzten, einen Schaden zufügen wollte. Das brachte einige Anleger bereits im August dazu, Klage gegen Tesla und Musk einzubringen. Und auch die Börsenaufsicht SEC ermittelt schon seit damals.

 

Tesla kooperiert mit Behörden

Nun hat sich aber auch die US-Staatsanwaltschaft auf den Tesla-Chef eingeschossen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hat sie offizielle Ermittlungen wegen Betruges gegen Musk eingeleitet. Tesla bestätigte in der Folge, dass die Staatsanwaltschaft nach der freiwilligen Herausgabe von Dokumenten im Zusammenhang mit dem Tweet gefragt habe. Der Elektroautohersteller habe dabei vollständig mit den Behörden kooperiert und werde das auch weiterhin machen, hieß es weiter.

Die Ermittlungen gegen Musk seien noch in einem sehr frühen Stadium, zitiert Bloomberg Behördenkreise. Es sei daher noch unmöglich zu sagen, ob daraus wirklich eine Anklage werden könne. Allerdings verweisen Beobachter auch darauf, dass Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in anderen Fällen sehr weit in die Vergangenheit gegangen sind und oft auch überraschende Wendungen genommen haben. So wurde beispielsweise gegen die US-Telekomgesellschaft Qwest kurz nach der Jahrtausendwende wegen Bilanzfälschung ermittelt. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich allerdings heraus, dass der Firmenchef große Aktienpakete verkaufte, obwohl er der Öffentlichkeit weismachte, der Firma gehe es gut. Schlussendlich wurde er zu vier Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt.

Die Börsenaufsicht SEC hat Tesla zudem bereits seit längerem im Visier. So untersuchte sie schon vor dem inkriminierten Tweet, ob Musk mit seinen Produktions- und Absatzprognosen die Investoren in die Irre geführt habe. Grund dafür ist, dass einige der Aussagen Musks im Rückblick weit neben der Realität lagen. So erklärte er etwa im Mai 2016, dass Tesla in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 100.000 bis 200.000 Tesla Model 3 herstellen werde. Im Endeffekt waren es weniger als 3000.
Die Tesla-Aktie gab nach Bekanntwerden der Ermittlungen am Dienstagabend um mehr als sechs Prozent nach, am Mittwoch nach der Eröffnung der Wall Street lag sie leicht im Plus bei 288 Dollar. (Bloomberg/jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2018)